MOSKUER STIMMEN - VOM ITALIENISCHEN PIZZABÄCKER ÜBER DEN GEORGISCHEN GASTRONOMEN BIS ZUR LITAUISCHEN WELTENPENDLERIN
Die größte Stadt Europas ist für die allermeisten Touristen in Westeuropa derzeit ein großer weißer Fleck auf der Karte. Für die Radioreise ist diese Stadt ein regelmäßiges Ziel schon weit vor Beginn dieser Sendung.
Seit der Kindheit reist Alexander Tauscher nach Moskau, in die Heimatstadt seiner Mutter, in der heute seine Cousine Natalia Metlina die einzig noch verbliebene enge Familienbindung ist.
Auch seit dem Krieg Russlands gegen die Ukraine fliegt Alex nach Russland, um auch und gerade in diesen Zeiten Geschichten zu sammeln. Der Weg von Deutschland nach Moskau ist seitdem deutlich länger....
....und deutlich teurer geworden.
Der Krieg wird uns in jeder Etappe dieser Sendung in irgendeiner Weise begegnen, aber es wird nicht im Mittelpunkt stehen.
Um es gleich vorab zu betonen, weil diese Radioreise ohne ein Bekenntnis von einigen ins falsche Licht gestellt werden könnte: Natürlich lehnen wir den Krieg gegen die Ukraine ab und kritisiere ihn, wo immer es angebracht, möglich und sinnvoll ist. Gleichzeitig lasse wir auch andere Stimmen zu, wagen uns auf die andere Seite der Front - und das mag uns von dem einen oder anderen entscheiden.
Wir beginnen italienisch, was einem vielleicht spanisch vorkommt, wenn von Moskau die Rede ist. Das erste Treffen dieser Reise war ein Frühstück im Bistro von Franceso aus Sizilien. In einer Nebenstraße unweit der Metro-Station Nowoslabodskaja macht er, wie die Einheimischen sagen, die beste Pizza der Gegend. Viele, wie unsere Reisekollegin Natalia Panferowa, die wir später treffen werden, holen sich hier einen Espresso, etwas Süßes oder ein Stück frischder Pizza.
Der italienische Pizza-Bäcker ist, wie man im Radioreise-Podcast hört, längst ein halber Russe.
Nun könnte man sagen: Die Russen führen einen Angriffskrieg gegen die Ukraine und eine antiwestliche Hetze, warum sollen die die italienische Küche genießen. Ist es nicht gerade wichtig, dass die Kulinarik eine Brücke von Ost nach West ist – und unbedingt bleiben sollte?
Wenn Alexander Tauscher nach Moskau reist, dann reisen neben seinen rund zwei Zentnern weitere 30 Kilo im Koffer mit durch Europa. Der vor Jahren in Moskau gekaufte rote Koffer füllt sich in den Wochen vor der Abreise mit Zahnpasta und allerlei westlichen Käsesorten.
Auch wenn Alexanders Cousine regelmäßig schimpft er solle nichts mitbringen, erfreut sich der Käse aus Deutschland, der Schweiz oder Frankreich bei ihren russischen Freunden und Bekannten großer Beliebtheit. Nicht, dass es in Moskau keinen Käse gibt – im Gegenteil: die Regale in den Geschäften sind vollbeladen.
Aber es sind beim Käse eben in Russland nachgemachte Käse, die – jedenfalls noch nicht – das Niveau von Westeuropa erreicht haben. Auch darüber sprach der Sizilianer Francesco in Moskau.
Italien ist für viele Russen ein Sehnsuchtsort in Europa. Die Leichtigkeit der Italiener kommt der russischen Seele näher als manche anderen Nationen. Italienische Mode ist bei russischen Frauen hoch angesehen. Vieles bekommt man auch in Moskauer Geschäften. Aber ebenso haben viele Russen eine unheimliche Lust, endlich wieder frei und ohne Probleme nach Italien reisen zu können. Das ist einer von unendlich vielen Gründen, diesen Krieg schnellstmöglich zu beenden.
Diese Moskauer Stimme hörte Alexander Tauscher erstmal im heiligen Land.
In Israel hört man fast an jeder Ecke Russisch aufgrund der Millionen jüdischen Aussiedler aus der ehemaligen Sowjetunion. Natalia Panferowa aus Moskau hatte Israel, so wie Alex, Anfang Februar 2026 für eine kurze pressetouristische Reise besucht. Diese Reise fand nach dem langen Gaza-Krieg und leider vor Beginn eines noch nicht von der Länge her abzuschätzenden Nahost-Krieges statt.
Alex war mit westlichen Journalisten in Israel und hatte versucht, die rusischen Kollegen so stark wie möglich mit den westlichen zu vernetzen. Der Zufall wollte es, dass Natalia Panferowa nur einen Kilometer entfernt von seiner Cousina Natalia Metlina wohnt.
Im Radioreise-Gespräch spricht sie über ihren Twerskojer Wohnbezirk, der nur etwa zwei Kilometer vom Kreml entfernt liegt.
Außerdem stellt sie in der Sendung ihre Lieblingsorte in Moskau vor, die sicher kaum ein Tourist ansteuern würde.
Wer Moskau besucht, geht natürlich auf die Allunions-Ausstellung, sagt Natalia. Das kann Alex zu 100 Prozent unterschreiben.
Kein Moskau-Besuch, bei dem er nicht zwischen den prunkvollen Fontänen und kleinen Palästen spazieren gehet.
Nach einer längeren Renovierung strahlt der Palast der Ukraine wieder in altem Glanz.
Vom Palast der Ukraine bietet sich dieser grandiose Blick über die Fontänen bis hin zum Brunnen der Völkerfreundschaft.
Natalia zeigt ihm auch ein paar Perlen im hinteren Teil des Parks, die seit ein paar Jahren wieder glänzen.
Dieses einstige Tabak-Verkaufsgeschäft ist heute ein vornehmer Tee-Pavillion.
An den Ufern dieses Sees erholen sich die Moskowiter gerne im Sommer.
Die besten Sonnenliegen finden sich, jedoch meist besetzt, vor dieser Fontäne.
Übrigens ist diese Kuh vor dem Pavillion der fleischverarbeitenden Industrie eng verbunden mit Natalias Hochzeit.
Die Kulinarik der Allunions-Ausstellung spiegelt auch die breite Palette der kulinarischen Einflüsse der ehhemaligen Sowjetrepubliken wieder. Allein das Haus der Russischen Küche gliedert sich in die verschiedenen Republiken und Regionen innerhalb Russlands.
Wir haben uns spontan für die sibirische Küche aus Jakutien entschieden.
Ein anderer Pavillion präsentiert die Vielfalt der russischen Weine.
Sind das russische oder ukrainische Weine? Der Streit darüber ist zum Weinen.
Übrigens läusst die Allunions-Ausstellung auch die Erinnerung an Direktflüge zwischen deutschen und russischen Städten aufleben.
Diese Sendung sammelt Moskauer Stimmen – die folgende stammt aus der georgischen Hauptstadt Tiflis:
Am legendären historischen Boulevard „Alter Arbat“ im Herzen Moskau befindet sich das, wie viele sagen, beste georgische Restaurant der Stadt.
Der Besitzer spricht sogar von der georgischen Botschaft in Russland, gibt es doch bisher keine wieder vollständigen diplomatischen Beziehungen zwischen beiden Ländern. Genau dafür setzt sich Mamuka Pipia ein. Als Vorsitzender der georgischen Partei „Solidarität für den Frieden“ hat er bereits erreicht, dass Georgier wieder legal in Russland arbeiten dürfen.
Im Radioreise-Gespräch erklärt er, warum Georgien den Beitrittsprozess zur Europäischen Union vorerst gestoppt hat und warum die EU in Zeiten des Ukraine-Krieges kein attraktiver Partner für Georgien ist. Gleichzeitig skizziert er neue Bedrohungen durch sein Land, etwa durch Aserbaidschan und die Türkei. Eine engere Bindung an Russland sei der beste Schutz für Georgen, mein Mamuka. Urlaubern aus Deutschland, Österreich oder der Schweiz empfiehlt er, jederzeit sein Heimatland zu besuchen. Deutschland lobt er in höchsten Tönen, trotz der grausamen Taten im Zweiten Weltkrieg.
Die nächste Geschichte dieser Radioreise spielt im postsowjetischen Bereich diesseits und jenseits des neu aufgezogenen eisernen Vorhangs. Der Vorhang ist seit 1989 etwa 1.000 Kilometer nach Osten verschoben worden. Trennte er einst Deutschland und Berlin und zog sich durch Mitteleuropa nach Süden, so verläuft er heute durch Osteuropa. Die baltischen Staaten, einst Teil der Sowjetunion, sind heute eine der stärksten Gegner und Kritiker der russischen Regierung. Auch Soja (sie wollte so genannt werden) würde kein gutes Haar an Machthaber Putin lassen. Doch das, was ihr als in Litauen lebende russisch sprechende Frau widerfährt, zwingt sie wohl bald zur Ausreise aus Litauen nach Russland. Die Details erfahren Sie im Radioreise-Interview.
Das Programm von Alexnder Tauscher in Moskau folgt in aller Regel den vielen Terminen seiner Cousine Natalia Metlina, die ehrenamtlich in der Moskauer Stadtversammlung (MosGorDuma) als parteilose Abgeordnete aktiv ist.
So geschah es auch an einem Abend, bei dem sie zu einem privaten Geburtstags-Konzert der Tochter einer ihrer besten Freundinnen eingeladen waren. Weil seine Cousine lieber mit dem Auto fährt, standen sie im Stau und kamen zu spät in den Club im Südwesten der Stadt. Natlia und Alex eilten durch die Räume in den Keller, vorbei an hunderten Schallplattenspielern und historischen Radiogeräten.
Da schlug sein Herz, wie man sich denken kann, viel höher. Also fragte Alex nach dem Konzert, ob ihm jemand etwas zu dieser Sammlung sagen kann. Es stellte sich heraus, dass wir uns im Haus der Vintage-Musik befinden.
Die charmante Gründerin des Hauses, Kristina Belinka, führte am Radioreise-Mikrofon durch die Sammlung.
Kristina stellte unter anderem diesen Plattenspieler aus Deutschland aus dem Jahr 1932 vor. Er hatte erstmals den Stereo-Ton, der erst viel später kam, simuliert.
Den Klang dieses historischen Plattenspielers hören Sie im Radioreise-Podcast, wenn wir mit Kristina die Nadel in die Rillen legen.
Musik wie auch Sport bringt Menschen zusammen. Leider legen die Mächtigen dieser Welt den Sportlern immer wieder Hürden in den Weg, die auch die besten Athleten nicht überwinden können. Die Thematik der russischen Athleten bei Olympia wollen wir an dieser Stelle nicht thematisieren, dazu sprachen wir ein Jahr zuvor in Moskau mit Olga Saiezewa.
Mit dem parteilosen Abgeordneten der Moskauer Duma, Valera Golovchenko, sprachen wir über die internationale, gemeinnützige Aktion und Organisation „Park Run“.
Valera, ein durchtrainierter Hobby-Marathonläufer, hat diesen Park Run nach dem Ausschluss Russlands aus dieser Organisation in seinem Wahlkreis in die eigenen Hände genommen.
In diesem Spätsommerwetter schnürte Valera Galovchenko seine Laufschuhe nicht nur in Moskau. Er nahm auch am Marathon in Jaroslawl teil, ein paar Hundert Kilometer nordöstlich der russischen Hauptstadt. Es gebe viele solcher Marathon-Läufe in ganz Russland, erklärt Valera, der nicht nur bei gutem Wetter in Shorts rennt, auch im tiefen Winter bei Frost und Schnee. Wir tauschten T-Shirts und Andenken aus Deutschland und Russland aus.
Im Radioreise-Podcast erklingt für ein paar Sekunden das Lied "Auf Wiedersehen Moskau", was zum Abschluss der Olympischen Spiele 1980 in Moskau erklang. Damals hatten die USA die Spiele boykottiert. Vier Jahre später boykottierten die Sowjets Olympia in Los Angeles.
42 weitere Jahre später sind wir in der Sport-Geschichte wieder auf einen ähnlich alten hässlichen Trampelpfad zurückgekehrt.
Daher werden wir weiter die Brücken zwischen den Menschen in Ost und West halten.
Das waren die Moskauer Stimmen aus dem Herbst 2026. Es sind nicht die einzigen, die Alexander Tauscher in dieser Stadt gesammelt hat. Keine andere Stadt hat er häufiger besucht als seine zweite Heimat.
Gerne lassen wir weitere Moskauer Stimmen erklingen. Zum Jahreswechsel 2025-2026 sprach Alexander Tauscher mit einem 103jährigen Veteran des Zweiten Weltkrieges über seine Gedanken zum Ukraine-Krieg. Diese und viele weitere Töne sind in der Radioreise Moskauer Einblicke zu hören.
Im Mai 2025 spiegelte Alexander Tauscher in der Radioreise Moskauer Rückblicke diese Eindrücke.
Zeitgleich unternahm er eine Tour in die russische Provinz für die Radioreise Russi Inside.
Die Journalistin Natalia Metlina, den Dachdecker Michel Seidensticker und den Opernsänger Alexey Kursanow interviewte Alexander Tauscher für die Radioreise Japan-Russland-Ukraine.
Zum Jahreswechsel 2024-2025 entstand die Radioreise Moskauer Perspektiven.
Den Jahreswechsel 2023-2024 schilderten wir in der Radioreise Moskauer Ansichten.
Die erste Sendung seit Beginn des Krieges gegen die Ukraine ist die Radioreise Moskauer Notizen von Silvester 2022 / 2023.
Genau ein Jahr zuvor hofften wir nach der Corona-Zeit auf eine bessere Zeit in der Radioreise Russischer Winter.
Auf der Website der Radioreise finden sich viele Touren durch Russland aus der Vorkriegszeit, Reisen auf der Wolga, vom Kaukasus, aus St. Petersburg und natürlich viele Sendungen aus Moskau.
Auf ein Wiedersehen in der russischen Hauptstadt in hoffentlich bald friedvolleren Zeiten!






























































