BINZER BUCHT - Geschichten zwischen den Bädervillen und dem Riesenbauwerk


In dieser Radioreise nimmt Sie Alexander Tauscher mit in die Binzer Bucht. Freuen Sie sich auf Urlaub im bekanntesten Ostseebad der Insel Rügen. Es wird eine Reise der Kontraste: Vom prächtigen mondänen Kurhaus über das herrschaftliche Jagdschloss Granitz bis zum monumentalen Riesenbau in Prora. Freuen Sie sich außerdem auf einen Schaffner aus dem Shanty-Chor und einen der besten Kameramänner der Welt.

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Die Binzer Bucht ist eine Marke und umfasst das Ostseebad Binz mit seinem feinen Sandstrand, den eleganten Bäderarchitekturvillen und der anliegenden Natur rund um die Granitz und den Schmachter See sowie den Ortsteil Prora mit seinem Naturerbe, dem Baumwipfelpfad und der Schmalen Heide mit seinen Feuersteinfeldern.


Neben dem Badeurlaub bietet die Binzer Bucht viele Ausflugsmöglichkeiten auf Deutschlands größter Insel. Dazu zählen zum Beispiel das Biosphärenreservat Süd-Ost Rügen mit der Halbinsel Mönchgut, die Rügensche BäderBahn „Rasender Roland“, das Naturerbe Zentrum RÜGEN mit dem Baumwipfelpfad oder auch der Park der Sinne am Schmachter See direkt in Binz.


Wir starten unsere Reise gedanklich am 3. Juli 1908. An diesem Tag wurde das Haus feierlich eröffnet, dass heute das Wahrzeichen von Binz ist, das Kurhaus an der Strandpromenade.


Die Eröffnung in Binz fällt in die Zeit, in der in Berlin das legendäre Hotel Adlon und das noble Kaufhaus des Westens die gut betuchten Käufer zu sich einladen. Daher kommen selbst Kaiser Wilhelm und sein Hofstaat zur Eröffnung hierher nach Binz. Auf der Speisekarte der Eröffnungsfeier stehen damals Ochsenschwanzsuppe, Steinbutt in Caperntunke, Hammelrücken garntiert, es gibt eine Eisbombe nach Viktoria, feines Gebäck und noch vieles mehr. Das Kurhaus entwickelt sich zum Mittelpunkt des gesellschaftlichen Lebens. Hier gehen die großen Konzerte über Bühne wie die Operette „Ein Walzertraum“. Im Kurhaus werden heiße Nächte in der Kakadu-Bar gefeiert. Später, als die Nazis eimarschierten, gibt es Marschmusik im Kurhaus. Das Kurhaus war seit 1923 in jüdischem Besitz. Der damalige Geschäftsführer Adalbert Bela Kaba-Klein gründete die Kakadu-Bar und holte deutschlandweit und international Musiker und Künstler nach Binz. Er und seine drei jüdischen Mitbesitzer wurden im Zuge der so genannten Arisierung enteignet, zwei haben den Holocaust nicht überlebt. Das Prora-Zentrum, dass wir später noch besuchen, hatte im Jahr 2012 die vier "Stolpersteine" auf der Promenade vor dem Kurhaus Binz mit dem Kölner Künstler Gunter Demnig verlegt. Nach dem Zweiten Weltkrieg hatte Kaba-Klein das Kurhaus gerichtlich zurückerstritten. Er wurde als Treuhänder eingesetzt und fiel im Jahr 1953 der "Aktion Rose", einer großen DDR-Enteignungsaktion von Hotels und Pensionen an der Ostseeküste, zum Opfer. Bestraft wurde er dafür, dass er Schweine hielt und diese mit den Essensresten der Wismut-Arbeiter, die besonders gute Ernährung erhielten wegen der Uran-Belastungen bei ihrer Arbeit, gefüttert hat. Dafür saß er zehn Jahre im Gefängnis in Bützow ein. Zum zweiten Mal wurde sein Haus enteignet, das Kurhaus wurde Staatseigentum. Er wurde wegen Krankheit vorzeitig entlassen und starb 1962 in West-Berlin. Einen kleinen Teil der Geschichte des Hauses hören Sie im Radioreise-Interview im Kurhaus mit Marketingleiterin Claudia Haase. Das Kurhaus gehört heute zur Gruppe der Travel Charme Hotels.


Als Rügen im 18. Jahrhundert noch zu Schweden gehörte, hatten die Putbuser Grafen auf einem der höchsten Berge der Insel mitten im Wald der Granitz ein Fachwerk-Belvedere errichten lassen – ein Aussichtsturm gehörte und ein Jagdhaus. Dem Puttbusser Grafen reichte dieses einfache Jagdhaus nicht, er wollte zeigen, wer er ist. Um seinen Status zu beweisen, ließ sich Fürst Wilhelm Malte der Erste ein prachtvolles Gebäude auf dem Berg der Granitz errichten. Es war damals das schönste Jagdschloß Deutschlands und zog Besucher in Scharen an. Heute ist Agnes Heine die Herrin im Schloss. Die Radioreise sprach mit der Schlossleiterin im Jagdschloss Granitz über die Geschichte des Hauses und das tolle Naherholungsergebiet der Granitz.


Die Binzer Bucht ist die Bucht der Kontraste. An einem Ende liegt Binz als mondänes Bad mit den wieder errichteten schmucken Villen, mit vielen neuen Hotels, mit Cafes und Restaurants, mit der langen Strandpromenade.


Am anderen Ende der Bucht liegt Prora.


Der Ort löst bei Besuchern wechselnde Gefühle aus.  Einerseits verläuft hier einer der schönsten Strände der Ostsee. Sonnenanbeter können sich auf  kilometerlangen hellen Sandstrand freuen.  







Hinter dem paradiesischen Strand erstreckt sich ein gut vier Kilometer langer Betonkomplex. 20.000 Urlauber wollten die Nazis in diesem Riesengebäude am Strand von Prora unterbringen.


Am 2. Mai 1936 wurde der Grundstein für die Anlage in Prora gelegt. In rekordverdächtiger Zeit von nur 17 Monaten war der Rohbau fertiggestellt. 


Doch mit Ausbruch des Zweiten Weltkrieges wurden die Bauarbeiten eingestellt. Im Rohbau waren acht Bettenhäuser und ein Teil der Kaianlage fertig. Vollendet wurde das Ganze nicht und als Seebad nie genutzt.


Ab den 1950er Jahren nutze die Nationale Volksmarmee der DDR das Gelände als Kasernen und Militärschulen. Hier gab es Sprengversuche und Übungen im Häuserkampf.Im Südabschnitt von Prora entstand das NVA Erholungsheim "Walter Ulbricht". 1990 wurde das Gelände von der Bundeswehr übernommen, die jedoch 1992 Prora komplett abgab. Große Teile blieben zunächst leer. Inzwischen wurde das Gelände komplett an private Investoren verkauft. Ein Teil des Gebäudes blieb als Ausstellungsraum erhalten. Das einst von der NS-Organisation „Kraft durch Freude“ geplante „KdF-Bad Rügen“ ist heute also eine Zeitreise durch mehrere Systeme.






Susanna Misgajski leitet das Ausstellungszentrum und rollt im Radioreise-Interview die Geschichte von Prora ausführlich aus.


Susanna Misgajski betont im Interview auch die Bedeutung der so genannten Bausoldaten während der DDR-Zeit in Prora. 1964 hatte die DDR den „Wehrersatzdienst“ eingeführt. Er hatte mit zivilen Aufgaben nicht viel zu tun, sondern war Teil der NVA. In Prora wurden in späteren viele Bausoldaten für die schweren Arbeit am benachbarten Fährhafen Mukran eingesetzt.


An die Zeit der Nationalen Volksarmee und deren reichhaltigen "Fuhrpark" erinnert das NVA-Museum in Prora.


Ob Panzerfähre, Flugzeug oder LKW. Die Fahrzeuge der NVA sollten flexibel, wendig und leicht zu warten sein.


Noch immer gehört die MiG-21 zu den bekanntesten Kampfflugzeugen - ebenso wie der  T-55, der Standardpanzer der Sowjetarmee und der Armeen des Warschauer Pakts. Da wir in der Radioreise keine Rüstung preisen wollen, konzentrieren wir uns lieber auf den Trabbi-Cabrio.  


Timo Guttwein führt uns auch durch das benachbarte Oldtimermuseum.


Der Rundgang durch die deutsch-deutsche Automobilgeschichte von 1949 bis 1989 dokumentiert eine wechselvolle Ära. Sie zeugt vom Einfallsreichtum der Konstrukteure in der DDR, die trotz extremen Mangels Neues vollbrachten. Das Museum bietet einen Ost-West-Vergleich, der zeigt, wie der Vorsprung des Westens im Laufe der Jahre wuchs. Ein Blickfang ist ganz sicher der Volvo 264 TE, die Staatskarosse der DDR.


Diese Lokomotive sowjetischer Fabrikation - mit Stalin-Bildnis - ist eine der ganz wenigen weltweit. Sie erinnert Alexander Tauscher an seine tollen Reisen früher wie heute zur Verwandschaft in die Sowjetunion und heute nach Russland.  




Einige Superlative sind in Prora geblieben: So befindet sich in einem Gebäude die längste Jugendherberge der Welt. Sie entstand als Ergebnis eines Jugendtreffens mit 15.000 jungen Menschen hier am Ostseestrand. 


Einen Teil der in dieser Radioreise besuchten Orte verbindet der Jagdschlossexpress. Der Zug auf der Straße fährt zum einen von der Binzer Seebrücke hinauf zum Jagdschloss Granitz. Eine weitere Route führt in den „Koloss von Rügen“ nach Prora. Außerdem fährt der Express vom Ostseebad Binz zum Naturerbezentrum nach Prora. In den Ostseebädern Binz, Sellin und Baabe fahren die  Bäderbahnen jeweils innerhalb der Seebäder.


Roger Pieniak hat diese Wegebahnen erfunden. Er ist Geschäftsführer der Jagdschlossexpress und Ausflugsfahrten GmbH. Im Radioreise-Interview erzählt er, wie die Bahnen inzwischen sogar in China verkauft.


Seit 1998 ist die Binzer Bäderbahn unterwegs. Die elektrisch betriebenen Bahnen sind für alle Gäste der Binzer Bucht Card (Kurkarte) kostenfrei.


Gäste ohne Kurkarte können eine Binzer Tageskurkarte erwerben. Sie wird an den aufgestellten Kurkartenautomaten im Ort sowie beim Fahrer verkauft.


Noch schneller unterwegs ist man auf Rügen im Rasenden Roland. Die älteste Schmal­spurbahn Deutschlands ist nicht nur ein rollendes Museum, sondern fester Bestand­teil im Nahverkehrs­netz der Insel. Mit einer Höchst­geschwindigkeit von 30 km/h verbindet der Rasende Roland die Ostseebäder auf der Halbinsel Mönchgut im Südosten der Insel Rügen. Wir trafen in Binz den Schaffner mit der wohl markantesten Stimme: Udo Gutthard aus Thüringen, er singt nebenbei im Sassnitzer Shanty-Chor. Für das Interview hatten wir nur 90 Sekunden Zeit, nämlich den Halt seines Zuges im Kleinbahnhof Binz.


Zu Ehren dieses Zuges gibt es im Kleinbahnhof sogar eine Gaststätte...


Am Ende unserer Radioreise durch die Binzer Bucht treffen wir einen Weltreisenden, der seine Zelte seit vielen Jahren in Binz aufgeschlagen hat: Mike Gast. Holger Vonberg, dem wir diesen Kontakt zu verdanken haben, schrieb einmal: Ein Mann, eine Kamera, eine Crew.


Viele Jahrzehnte lang hat Mike Gast große Filme gedreht, heitere und ernstere, mit ganz Großen vor der Kamera. Mike Gast war mit Klaus Kinsky am Set, er dreht den „Monaco Franze“, das „Das Erbe der Guldenburgs“ oder hier auf Rügen „Hallo Robbie“ mit Karsten Speck.
Bild: Mike Gast
In einem langen Radioreise-Interview, dass wir in dieser Sendung nur in Teilen ausstrahlen können, verrät er uns seine Auswanderergeschichte. Denn geboren wurde Mike am Chiemsee in Bayern. Als Kind zog er nach Vancouver Island. Seine Lebensreise führt ihn über die USA und Luxemburg nach Marokko und dann nach Deutschland. Warum er ausgerechnet auf Rügen landete, erfahren Sie im Podcast.


Seit ein paar Jahren widmet sich Mike Gast der Fotografie. Jahrzehntelange Erfahrung als Kamermann haben sein Auge für besondere Motive geschult. 
Bild: Mike Gast
Mike Gast ist mit seiner Kamera sehr oft noch vor Sonnenaufgang am Strand, und fängt diese Morgenstimmung im Bild ein. Natur findet er schön, wenn sie unberührt ist – deswegen muss er sehr früh los und findet auch auf Rügen weniger dieser Orte, wie er uns sagt.


Die Fotografien von Mike Gast sind gefragt, hängen in Kanzleien oder Arztpraxen, sind oft Auftragswerke. Am Ende unseres Radioreise-Interviews sagte uns Mike, dass er irgendwann diese Insel wieder verlassen werde. Wir sind sehr gespannt, wo er dann seine Zelte aufschlagen wird. Wir empfehlen ohnehin nur die temporäre Ausreise nach Rügen, in den Urlaub in die Binzer Bucht. Von da aus können Sie mit uns weiter über Bergen nach Stralsund radeln.
STRALSUND - RÜGEN: Die Mecklenburger Radtour

Oder Sie steigen in den Trabant und entdecken Deutschlands größte Insel mit dem Trabbi.
Mit dem Trabbi über die Insel Rügen

Eine andere Radioreise beginnt auf der kleinen Insel Vilm direkt vor Rügen gelegen.
SECRET LAND - Geheimnisvolle und romantische Orte an der Ostsee

Weiter ostwärts können Sie mit uns das schöne Greifswald entdecken.
Romantik zwischen Greifswald und Usedom

Von Greifswald aus laden wir Sie in die Kaiserbäder auf Usedom ein.
Kaiserbäder auf Usedom

Von Rügen aus westlich empfiehlt sich unser Urlaub auf der Halbinsel Fischland-Darß-Zingst.
FISCHLAND-DARSS-ZINGST - Deutschlands schönste Ostsee-Halbinsel

Weiter westlich schließt sich unsere Tour in den Ostseebädern an, veteilt auf zwei Sendungen:
Ostseebäder zwischen Graal Müritz und Warnemünde

Von Warnemünde aus entdecken wir die Ostseebäder bis Kühlungsborn. 
Ostseebäder von Kühlungsborn bis Warnemünde

In Kühlugsborn steigen wir nochmal aufs Rad und treten bis Wismar in die Pedale.
OSTSEERADWEG - Mit dem Drahtesel von Wismar nach Warnemünde

Es gibt noch viel zu entdecken, auch in der Binzer Bucht.

Auf ein Wiedersehen!