RIGA & VILNIUS - Von der lettischen in die litauische Hauptstadt

In dieser Radioreise nimmt Sie auf eine Tour von Riga nach Vilnius. Die Reise startet in der lettischen Hauptstadt auf den Spuren von Heinz Erhardt, der in Riga seine Kindheit und Jugend verbrachte. Wir  besuchen sein Gymnasium, laufen an seinem Lieblings-Cafe vorbei und sind dort, wo er seine erste große Liebe auslebte. Uns begleitet ein wahrer Heinz Erhardt-Experte als Guide in Riga. Freuen Sie sich auch auf einen postsowjetischen Park mit dem roten Telefon als Direktverbindung in den Moskauer Kreml. Dann wechseln wir von Lettland nach Litauen und besuchen Vilnius, eine Stadt mit einer Künstler-Republik. Wir sprechen auch über die Bedeutung, die die europäische Kulturhauptstadt 2009 für die Entwicklung der litauischen Hauptstadt hatte. Vor den Toren von Vilnius tauchen wir schließlich tief in die Geschichte des Baltikums ein.

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Wir starten in Riga. Die Hauptstadt Lettlands ist mit 700.000 Einwohnern die größte Stadt im Baltikums. Wer mit dem Kreuzfahrtanschiff anlegt, merkt rasch, dass die Stadt nicht direkt an der Küste liegt, sondern an der Mündung des Flusses Daugava  in die Ostsee.


Hanseatisch beeinflusst, vom Jugendstil geprägt, vom Sozialismus gebeutelt und wieder erwacht nach erneuter Selbständigkeit: Riga, die Kulturhauptstadt Europas 2014, ist uns heute mehr Wert als nur ein kurzer Halt auf der Kreuzfahrtroute in Richtung St. Petersburg. Auf diesem Rundgang durch Riga begleitet uns Maik Habermann, der den Fokus später auf einen sehr bekannten Schauspieler legen wird. Gleich zu Beginn unseres Stadtrundgangs liefen wir als erstes an einem großen Blumenmarkt vorbei, einer etwa 200 Meter langen Straße voller Blumenläden. Die Geschäfte haben rund um die Uhr geöffnet, aus gutem Grund, wie Maik Habermann im Radioreise-Rundgang erklärt.


Von diesem Blumen-Markt sind es nur ein paar Schritte bis zum zentralsten Platz der Stadt, an dem wir das erste Mal auf dieser Reise mit der oft wechselhaften Geschichte Letttlans konfrontiert werden. Riga wurde einst an das russische Zarenreich angeschlossen und entwickelte sich zu einer der wichtigsten Städte Russlands. Später wurde Lettland der Sowjetunion angeglieder und schließlich von den deutschen Faschisten besetzt. Nach den Sowjetjahren der Nachkriegszeit konnte Lettland erst 1991 die Unabhängigkeit wiedererlagnen.


Wie unser Guide erzählt, gab es nach dem Zweiten Weltkrieg zu Sowjetzeiten den Plan, das Denkmal zu sprengen. Eine Bildhauerin aus Riga soll für den Erhalt des Denkmals gekämpft haben. Und es gibt noch eine Anekdote aus der Sowjetzeit: Als das Denkmal eines Tages baufällig wurde und abgetragen werden sollte - angeblich, um Gefahren für den Straßenverkehr zu vermeiden – hatte der Bürgermeister von Riga die Straße um das Freiheitsdenkmal kurzerhand zur Fußgängerzone erklärt und konnte so das Monument retten. Das war der kleine Widerstand, der auch zu Sowjetzeiten möglich war – jedenfalls hier im Baltikum.


Vor diesem Freiheitsdenkmal halten Soldaten Wache. Sie stehen fast regungslos und dürfen sich nur zum Wachwechsel bewegen. Uns wurde aber gesagt, dass die Soldaten schon mal zwinkern, wenn eine hübsche Frau vorbei läuft. Es heißt sogar, dass manch ein Soldat seine Telefonnummer weitergegeben haben soll. Die ewige Treue können die Verliebten an dieser nahegelegenen Brücke in Riga fixieren.


Auch die Geburtskathedrale von Riga ist Zeugnis der wechselvollen Geschichte Lettlands. Während der Besetzung im Ersten Weltkrieg wurde die Kirche in eine protestantische Kirche umgewandelt, doch bereits nach der lettischen Unabhängigkeit wurde sie 1921 wieder orthodox. 1963 wurde die Geburtskathedrale von den sowjetischen Behörden in ein Planetarium umgewandelt und in „Haus des Wissens“ umbenannt. Als Lettland wieder unabhängig wurde, wurde die Kirche grundlegend saniert und schon 1992 als Kathedrale wiedergeweiht.


Auf unserem Rundgang mit Maik Habermann hielten wir an einem weiteres Gebäude in Riga, dass eigentlich ein Wahrzeigen ist und das uns die jüngste Geschichte so deutlich vor Augen hält: das ehemalige Hotel "Intourist". Das Haus ist heute das höchste Hotel der Stadt. Von der Bar aus hat man die tollste Aussichte auf Riga. Zum 800-Jahre Stadtjurbiläum hatte man dieses Hotel umgebaut und  gründlich saniert. Dabei passierte etwas besonders: Man fand ein Zimmer des KGB. Die ganze Geschichte hören Sie bei uns im Podcast. Mehr zur wechselvollen Geschichte des 20. Jahrhunderts in Lettland erfahren Sie in diesem Museum von Riga.


Von der Staatsgeschichte kommen wir zur Fernseh-Unterhaltung. Wir sind auf der Spur eines großen deutschen Komikers, der uns viel Freude schenkte, im Film, auf der Bühne, im Fernsehen und als Sänger. Der Sohn des deutsch-baltischen Kapellmeisters Gustl Erhardt wuchs größtenteils bei den Großeltern seiner Mutter in Riga auf. Unser Guide Maik Habermann ist ein augesprochener Heinz Erhardt-Experte und führt uns zu den wichtigsten Stationen seines Lebens in Riga.


Wir besuchen auf dem Rundgang zum Beispiel den Konzertsaal, in dem Heinz Erhardt seine ersten Auftritte hatte.  Wir besuchen das Gymnasium, eine der Schulen, die Heinz Erhardt besuchte. Der Komiker musste 15 Mal die Schule wechseln, jedoch nicht wegen schlechter Noten. Heinz Erhardt musste als Kind immer wieder seinen Vater auf Tourneen begleiten. Wir schauen in künstlerische Arbeiten und Abschlusszeugnisse des Komikers. 


Von 1924 bis 1926 lernte Heinz Erhardt am Deutschen Gymnasium in Riga und begann in einer Laienspielgruppe. Dann ging er nach Leipzig ans Konservatorium und studierte dort Klavier und Komposition. Eigentlich wollte Heinz seit Jugendzeiten Pianist werden. Doch diesen Traum hatten die Großeltern ausgebremst. Sein Großvater wollte, dass Heinz Erhardt Kaufmann lernt und stellte ihn  als Lehrling in seinem Musikhaus in Riga ein. So war Heinz Erhardt damals ein junger Mann, der hin- und hergerissen wurde, der sich nicht frei entwickeln durfte. Unser Guide Maik erinnert an sentimentale und heitere Augenblicke im jungen Leben des Künstlers.


Anfang der 1930-iger Jahre stand Heinz Erhardt zum ersten Mal auf der Bühne des Deutschen Schauspiels in Riga, in der Rolle eines lustigen Tunichtgut. Dann kam das, was ihn ganz sicher verändert hat – eine Frau! Heinz Erhardt fand die Liebe seines Lebens, im Frühjahr 1934 passierte es im Fahrstuhl. Dort traf er eine junge Dame. Er fragte sie klugerweise "Wollen Sie auch nach oben?" Die Dame lachte nicht und sagte schlicht und ergreifend "Ja". Weil die Fahrstühle in Riga damals sehr langsam fuhren, konnte das frische Liebespaar die ersten Sätze wechseln.


Bereits ein Jahr später heirateten Heinz Erhardt und Gilda Zanetti.


Sie war die Liebe seines Lebens, die ihn 45 Jahre lang auf nahezu allen Wegen begleitete. Gleich nach der Hochzeit zog es die beiden in ein Erholungsressort vor den Toren von Riga.


Später wurde dieser Ort der Sommersitz des sowjetischen Ministerrats. Heute ist es ein wunderbar idyllisches Erholungsressort am Alumsee.


Wasser, Wälder, unberührte Natur - die Umgebung von Riga vermittelt das Feeling des großen Russland....


Mit seiner großen Liebe war Heinz Erhardt oft und gerne am Wasser.


Er war sicher auch mal in diesem kleinen rund 100 Jahre alten Holzschiff namens „Darling“, mit dem wir durch den Stadtkanal von Riga schippern.


Der Stadtkanal verläuft vom rechten Ufer der Düna durch Parkanlagen, die an der Stelle der historischen Festungsanlagen entstanden. Er wird von 16 Brücken überspannt.

Die Innenstadt von Riga besticht durch die hohe Anzahl an Restaurants, Kneipen und Cafes. 


Riga ist bekannt für seine tollen Jugendstil-Gebäude. In mühsamer Kleinarbeit werden viele Häuser restauriert.


Der Lieblingsort unseres Guides Maik Habermann in Riga ist das Ufer der Daugava in der Abendsonne. Diesen Ort besuchten wir kurz vor unserem Abschied von der lettischen Hautstadt.


Wir nehmen von Riga den Landweg südwärts durch die weiten Felder und ausgedehnten Wälder des Baltikum in Richtung Vilnius...


...und erreichen die kleinste der drei Hauptstädte des Baltikums. Vilnius ist sicher die ursprünglichste, jedenfalls die unbekannteste der drei Städte. Denn die meisten Touristen steuern auf den Kreuzfahrten Riga und Tallin an. Vilnius liegt im Landesinneren und daher meist nur auf dem Programm größerer  Rundfahrten durch das Baltikum.


Lange war Vilnius für viele Menschen in Westeuropa ein weitgehend unbekannter Ort und itauen selbst  ein weißer Fleck auf der Reisekarte. Erst als das Land Mitglied der Europäischen Union wurde, steuerten die ersten Touristen aus dem Westen diese Hauptstadt an, die im Jahr 2009 Europäische Kulturhauptstadt wurde.


Die Peter und Pauls Kirche in Vilnius war eine der wenigen Kirchen in Vilnius, die auch in der sowjetischen Zeit für Gottesdienste geöffnet war.


Ihre „Schwesterkirche“ ist die Kirche des Klosters Paschaislis in der Nähe von Kaunas in Litauen.


Wie auch Lettland, dass wir zuvor besucht hatten, gehöret Litauen lange Zeit zum russischen Zarenreich. Bis zur Revolution in Russland im Jahr 1917 wurde in Vilnius mehrheitlich polnisch gesprochen. Dennoch war Vilnius im 19. Jahrhundert das Zentrum des weißrussischen nationalen Lebens, noch vor Minsk, wie Sie im Radioreise-Rundgang erfahren.


Vilnius galt seit seiner Gründung als eine der liberalsten Städte Europas. Juden, die in Europa immer wieder vertrieben wurden, konnten sich hier vor der Verfolgung schützen. Doch unter der deutschen Naziherrschaft verlor die Vilnius fast alle jüdischen Bewohner und somit die Hälfte der  Bevölkerung. Vor den Toren der Stadt wird die jüngste Geschichte von Vilnius sichtbar, wenn man in die  Katakombten von Vilnius steigt, die uns unser Guide Pavlius zeigte.


An die Zeiten der Fremdbestimmung erinnert zum Beispiel der so genannte Freiheitsweg, eine große Skulptur, die für das 20-jährige Jubiläum der Unabhängigkeit der Republik Litauen entstanden war. Es gibt in Vilnius eine „Künstler-Republik“ als abgegrenztes Viertel mit eigener Verfassung, eigenen Gesetzen.

Das Viertel ist ein begehrtes Wohnquartier für die städtischen Künstler geworden. Hier gibt es zahlreiche Galerien und Cafes. Mitunter wird Užupis mit dem Künstlerviertel Montmartre in Paris verglichen, mit dem auch eine Partnerschaft besteht.

Einige Bewohner hatten als Kunstaktion die unabhängige Republik ausgerufen, die über eine Verfassung, eine Flagge und einen Präsidenten verfügt. Die zwölf Mann starke Armee wurde mittlerweile wieder aufgelöst, weil Užupis sich in seiner Verfassung als weltweit einziges Land zu einem völligen Gewaltverzicht verpflichtet hat. Wir wissen auch nicht, wie diese Aufrüstung an der Ostgrenze der NATO von Russland betrachtet würde...


Am Ende unseres Rundgangs durch Vilnius tauchen wir in das russisch-geprägte Leben ein und besuchen einen Einkaufsmarkt der Einheimischen, auf den sich kaum ein Tourist verirrt.


Denn hier verkauften die "Babuschkas" ihre selbst eingelegten und eingekochten Produkte. Hier gibt es frisches Obst und Gemüse - hier weht ein Hauch Russlands durch die Marktstände.





In Vilnius endete diese Radioreise und bietet zugleich die kostenfreie Verlängerung in der litauischen Hafenstadt Klaipeda an. Denn hier laden wir Sie zu unserer Radioreise entlang der baltischen Ostseeküste ein.
BALTISCHE OSTSEEKÜSTE: Romantische Orte in Jurmala an der Kurischen Nehrung

Außerdem bieten wir eine ganze Radioreise aus Tallin.
TALLINN & Insel Prangli - Unterwegs in Estland

Alle drei Länder des Baltikum besuchen wir unserer Ostseekreuzfahrt.
OSTSEEKREUZFAHRT - Neun Länder auf einer Schiffsreise

Auf ein Wiedersehen in Riga und Vilnius!