ECUADOR - Urlaub auf der Null-Linie

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In dieser Radioreise nimmt Sie Alexander Tauscher mit nach Ecuador.  Wir  haben uns für den Urlaub genau die Mitte unserer Erde ausgesucht, das Land am Äquator, im Nordwesten von Südamerika. Ecuador hat neben den berühmten Galapagos-Inseln noch viel mehr zu bieten! Deshalb nehmen wir Sie heute mit ins Hochland der nördlichen Anden. Die Gipfel der Vulkane ragen hier gut 6.000 Meter in den Himmel. Und die Natur zeigt sich voller Kraft.


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Hochland der nördlichen Anden

Die Vielfalt Ecuadors ist beeindruckend: beste Schokolade, farbenprächtige Rosen, heiße Thermalquellen, Kolibris und Tukane im Nebelwald. All das werden wir in dieser Radioreise erleben. Wir starten unsere Reise in der Hauptstadt Quito – ein sehr beliebtes Reiseziel auch bei Nordamerikanern, denn hier gibt es Geschichte zum Anfassen: Viele traditionelle Gebäude aus der Zeit vor den Spanier sind noch erhalten oder wieder rekonstruiert, zumindest im alten Zentrum.

Wir starten unsere Reise in der Hauptstadt Quito

Quitos Mauern haben schon einiges gesehen in der langen Geschichte der Stadt, wie unser Guide Pablo erzählt.

Guide Pablo

Pablo Leon arbeitet für den Anbieter Urban Adventures, was wir Ihnen für eine Stadttour sehr empfehlen. Er zeigt uns sein Quito, die Stadt, die auf über 2.000 Metern Höhe liegt - zwischen mächtigen Vulkanen der Hochanden. Auf dieser Höhe, auf der bei uns sicher viele Kopfschmerzen bekommen würden, leben fast drei Millionen Menschen. Das historische Zentrum ist inzwischen UNESCO Weltkulturerbe  - Pablo führt uns zum alten Stadtkern mit seinen stilvollen Gebäuden.

Stadtkern mit seinen stilvollen Gebäuden

Wegen der tiefen Geschichte wird Quito auch oft als „das Kloster Südameriks“ bezeichnet.
Quito hat nur ein Problem: der Platz. Denn links und rechts begrenzen die Hänge und Gipfel der Hochanden den Raum – also kann sich die Stadt nur nach Süden und Norden hin ausdehnen. Das Ergebnis: eine viele Kilometer lang gezogene Millionenstadt, die immer noch weiter wächst – und immer länger, sprich größer, wird.

Lang gezogene Millionenstadt

Pablo, unser Stadtführer, empfielt: man solle sich 2, besser 3 Tage Zeit für Quito und die nahgelegene Umgebung nehmen. Und wir können bestätigen, dass eine Tour mit einem Einheimischen ein echtes Städte-Erlebnis ist – ein Urban-Adventure; diese Idee hat sich mittlerweile in über 160 Städten weltweit etabliert und ist natürlich ganz einfach per Internet  - also starten wir unser urbanes Abenteuer in Quito – mit Musik aus Ecudor.

Tour mit einem Einheimischen ist ein echtes Städte-Erlebnis

In der Hauptstadt Quito treffen wir Bertrand Endemini: Er ist gelernter Chocolatier und stammt aus der Schweiz. Die Schweiz hat ihren Reiz, doch hohe Berge gibt es auch in Ecuador, wird sich der Schweizer vielleicht gedacht haben. In seinem Geschäft in Quito stellt er Pralinen und Schokoladen-Tafeln her, aus dem hochwertigen Kakao Ecuadors.

Bertrand Endemini

Die Qualität des Kakao aus Ecuador wurde in den letzten Jahren mehrfach mit internationalen Goldmedaillen prämiert. Kleine Manufakturen, wie die von Bertrand, verarbeiten nur beste Bohnen, wird er uns gleich verraten. Was kaum jemand weiß: mittlerweile ist erwiesen, dass Kakao und die süßen Produkte daraus im Ursprung aus dem heutigen Ecuador stammen. Bisher war man stets davon ausgegangen, dass Mittelamerika, die Gegend des heutigen Mexicos, der Ursprung der dunklen süßen Kakaomasse sei. Denn auch die Mayas und Azteken bauten Kakaopflanzen an, trockneten die Bohnen und machten daraus ein Heißgetränk namens Xokolatl.

Heißgetränk namens Xokolatl

Wie aus der gelben Frucht mit den weißen Bohnen schließlich dunkler Kakao wird, kann man Schritt für Schritt in der kleinen Schokoladen-Manufaktur von Bertrand Endemini selbst miterleben – Verkostung frischer süßer Leckereien inklusive.

Verkostung frischer süßer Leckereien


Ecuador gehört zu den weltweit größten Produzenten der schönsten Rosen. Über 220 Plantagen nutzen das vorteilhafte Äquator-Klima.

Radioreise Podcast in Equador

Rosen

Wir nehmen Sie in der Radioreise mit zur „Hacienda Compania de Jesus“, wo uns Martin Perujo zum Rundgang über die Rosadex-Rosenplantage erwartet.  Seine Rosen verbinden die Länder dieser Welt – man liebt sie in den USA genauso wie in Russland, in China aber auch bei uns in Europa.

Rosenplantage

Es dauert keine 24 Stunden, dann sind die Rosen aus Ecuador schon bei uns im Blumenladen frisch zu kaufen: per Frachtflieger über Amsterdam wird ganz Europa mit den farbenprächtigen Blumen aus Südamerika versorgt.


Die soziale Frage ist sicher ein weites Feld: Mehr als 60.000 Menschen arbeiten auf den vielen Rosenplantagen der Region. Nicht in allen Betrieben herrschen faire Arbeitsbedingungen.


Auf der Plantage, die wir besuchen, werden jeden Tag rund 40.000 Rosen geschnitten. Sie werden in Kartons zu je 13 Stück verpackt und ausgeliefert. In Stoßzeiten, wie zum Muttertag, oder zu anderen Festlichkeiten, müssen in der Rosen-Produktion Sonderschichten eingelegt werden. Nach wie vor sind rote Rosen die meistverkauften weltweit. In China hat sich ein ganz neuer Rosen-Mode-Trend entwickelt: bunt gefärbte Blüten. Dafür werden die Rosen von Hand gefärbt.



Der Name Ecuador kommt natürlich von der unsichtbaren Linie, die die Welt umspannt. Schon im Leben der Ureinwohner spielten der Äquator, die Sonne, Mond und Sterne eine wichtige Rolle. Denn hier haben Tag und Nacht fast das ganze Jahr über jeweils zwölf Stunden. Wo auf der Welt zeigt das Empfangsgerät diese Null-Linie? Natürlich nur am Äquator!


Zweimal im Jahr – wenn die Sonne im Zenit steht – gibt es am Äquator auch einige Minuten lang keinen Schatten: Zur so genannten Tag-und-Nacht-Gleiche, dass unserem Frühlings- und Herbstanfang entspricht.  Es gibt einen Ort, da kann man das ganze Jahr über erfahren, wie schon die Inkas mit diesen Naturerscheinungen ihren Kalender bestimmt haben: Bei Cayambe hat der Wissenschaftler Cristobal Cobo eine riesige Sonnenuhr geschaffen: ein gut 10 Meter hohes Stahlrohr, exakt auf dem Äquator positioniert zeigt die Stunden an.


Der Mittelpunkt der Welt heißt in der Sprache der Ureinwohner: Quitsato. Genau so heißt dieser wirklich sehr spezielle Ort. Seit gut einem viertel Jahrhundert erforscht Cristobal Cobo die Zusammenhänge zwischen Sternenhimmel, Sonnenständen, alten Ritualen und den archäologischen Bauten in Südamerika. Er ist international anerkannter Experte auf diesem Gebiet und dank seiner Beobachtungen wurden sogar weitere Bauten der Ureinwohner Südamerikas entdeckt. Besucher können hier viel Neues vom alten Wissen erfahren. Cristobal Cobo ist auch wegen seiner teils innovativen Thesen in den Kreisen der Wissenschaftler kein Unbekannter. Denn er vertritt die Sichtweise, dass unsere heutigen Landkarten, mit der Ausrichtung nach Norden, überholt seien. Die Aufteilung der Welt in Nordhalbkugel und Südhalbkugel wäre eine nutzlose Erfindung der Neuzeit, sagt Cobo. Der wahre Blick auf die Erde müsste vom Mittelpunkt ausgehen, also von Ecuador aus; gen Osten und gen Westen gerichtet, dem täglichen Sonnenverlauf folgend. Nicht nur die alten Seefahrer, sondern eben auch schon die frühen Himmelsbeobachter hatten diese Sicht auf die Welt.


Die Radioreise durch Ecuador macht nun Station auf der Finca Sommerwind in Ibarra. Sie liegt etwa zwei Stunden nördlich von Quito direkt an der berühmten Panamericana Route.  Hierher ist im Jahr 2010 der Kölner Hansjörg Schütter ausgewandert. Dabei verlor er vier Buchstaben: Aus Hansjörg wurde in Ecuador Hans, weil das einfacher zum Aussprechen ist.


Für viele Urlauber ist dieses relativ kleine Land auf dem großen Südamerikanischen Kontinent nur eine Durchgangsstation, vor allem hier auf der Finca Sommerwind. Sie liegt genau an der Panamericana. Daher wundert es nicht, dass sich bei Hans, dem hilfsbereiten Deutschen mit eigenem Biergarten und zünftiger Schnitzel-Speisekarte, Weltenbummler aus aller Herren Länder treffen.


Die Durchreisenden legen eine Pause auf der langen Route von Alaska bis nach Feuerland ein.
Bild: Hansjörg Schütter
Sie treffen Gleichgesinnte, um gemütlich Reisetipps und Erfahrungen entlang der Strecke auszutauschen. Einige sind auch hier, weil sie einen Schaden am Fahrzeug haben und auf ein Ersatzteil warten, denn der bekannte deutsche Automobil-Club ist hier nicht sofort mit der Pannenhilfe dabei.
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Wir müssen Ihnen noch etwas Trauriges mitteilen, über die Lieblingstiere vieler Kinder: Die süßen  kleinen Meerschweinchen, die bei uns oft im Stall im Kinderzimmer leben, stehen in vielen Ländern Südamerikas auf dem Speisezettel. Sie werden traditionell über dem Feuer gegrillt. In Peru und auch Ecuador heißen sie „Cuy“, was eigentlich mehr einer Beschreibung der Geräusche gleichkommt, die die Meerschweinchen machen: cuy cuy cuy...
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Meerschweinchen haben in den südamerikanischen Ländern seit jeher rituelle Bedeutung: Es gibt zum Beispiel eine Reinigungszeremonie in Ecuador, mit Feuer und Qualm, da gehört es dazu, dass der in Trance befindliche Teilnehmer mit einem lebenden Meerschweinchen abgerieben wird; von oben bis unten – der ganze Körper.  Denn die Tiere entziehen dem Körper schlechte, böse Kräfte heißt es bei den Schamanen.  uch sollen die Meerschweinchen einen besonderen Sinn dafür haben, ob ein Fremder in guter oder schlechter Absicht zu Besuch kommt.


Das ist wohl auch ein Grund dafür, warum zumindest früher wohl so gut wie jeder Haushalt in Ecuador mehrere dieser Schweinchen zu Hause hatte: Machen die Meerschweinchen viel Krach und sind aufgebracht, scheint der Besucher nichts Gutes im Schilde zu führen; sind sie hingegen leise und verhalten sich ruhig, ist der Besucher in freundlicher Absicht zu Gast.


Schon der berühmte Alexander von Humboldt war von den Vulkanen in Ecuador begeistert. Anfang des 19. Jahrhunderts versuchte er, den Chimborazo zu besteigen, der mit mehr als 6 Tausend Metern höchste Vulkan Ecuadors. Damals forschte der Wissenschaftler auch über die Bauten der Inkas am Fuße der Vulkane. Nicht auszuschließen, dass auch Alexander von Humboldt in den heißen Thermalquellen dieser Gegend gebadet hatte.
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Im Tal von Papallacta, gut eine Stunde von Quito entfernt, trifft man heute auf die wohl schönste und bekannteste Thermal-Badelandschaft Ecuadors: Termas Papallacta. Sie baden hier in warmen Pools, alle zwischen 36 und 39 Grad Wasser-Temperatur.


In diesen Quellen riecht es nicht nach Schwefel, wie so oft bei anderen Thermal-Quellen.




Mehr als 160 Mitarbeiter kümmern sich hier um das Wohl der Gäste. Wir sprachen mit dem Manager Edgar Palacio.


Nach dem Bad im heißen Quellwasser wollen wir „hoch hinaus“, am besten über die Gipfel des Nebelwaldes, um dort Kolibris und Tukane zu beobachten.  Vor allem unter Vogelkundlern und Tierfreunden ein heißbegehrtes Reiseziel in Ecuador, denn allein im hiesigen Nebelwald leben doppelt so viele Tierarten, als in ganz Deutschland.


Hier leben Säugetiere, Vögel, Reptilien und Amphibien: auf fast 1.700 Arten trifft man in und um Mindo. In ganz Ecuador sind es gut 3.000 verschiedene Spezies; während Deutschland gerade mal auf 700 Tierarten kommt.


Wir befinden uns hier oberhalb von Mindo, mitten im Nebelwald und um uns herum schwirren hunderte Kolibris, einer bunter und schöner als der andere. Mit ganz viel Glück kann man im Nebelwald auch Faultiere oder die sehr scheuen Brillen-Bären beobachten.In dieser wunderschönen Gegend macht Ruben Dürr aus Calmbach bei Pforzheim ein freiwilliges ökologisches Jahr.  Der angehende Biologie-Student hilft, den Nebelwald zu erhalten.


Wer sich ebenfalls so engagieren will, wer auch einmal im Nebelwald helfen will, richtig anpacken will – der kann sich direkt an Mino Lindo in Ecuador wenden. www.weltwaerts.de  - mit dieser Organisation kam Ruben nach Ecuador. Dahinter steckt das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung. Zielgruppe sind junge Menschen zwischen 18 und 28 Jahren, die für einen Zeitraum zwischen 6 bis 24 Monate Freiwilligendienst im Ausland leisten wollen. Mehr Infos dazu auch unter www. mindolindo.de


Die wahrscheinlich bequemste Möglichkeit der Vogelbeobachtung ist ein Sessellift, der gerade so über die Gipfel des Nebelwalds hinweg gleitet.


Der Luft bleibt immer wieder kurz stehen, damit man Fotos machen kann: von Kolibris und vor allem dem großen Tukan, mit seinem leuchtenden Schnabel.


Wir konnten auf unserer Tour übrigens tatsächlich Tukane fotografieren, trotz einiger Nebelschwaden im Regenwald.


Marcello Carrera ist Ingenieur und hatte die Idee zu diesem Projekt im Minjoy-Park. Er hat die Liftanlage selbst geplant und  eine ganze Anlage gebaut, damit Urlauber – von groß bis klein – möglichst viel erleben können.


Britt und Fred, zwei große Fans der Radioreise, haben uns heute viele Geschichten aus Ecuador mitgebracht. Wir bedanken uns sehr herzlich bei den beiden Weltenbummlern. Wir sind uns sicher, Britt und Fred werden weiter diesseits und jenseits des Äquators unterwegs sein - und das auch sicher wieder einmal mit dem Radioreise-Mikrofon.


Sie können von Ecuador aus mit uns gern nach Argentinien weiterreisen  und dort den Aconcagua besteigen.

ARGENTINIEN - Die Besteigung des Aconcagua

...oder Sie folgen uns über Bolivien und Chile bis nach Feuerland….

SÜDAMERIKA: Von Patagonien über La Paz bis nach Santiago de Chile

Nach Norden geht es entspannter zu, auf unserer Radioreise nach Curacao:

Curaçao - meet the locals

Auf ein Wiedersehen in Ecuador!