BRITISH COLUMBIA - Kanadas Wildnis in den Coastal Mountains


In dieser Radioreise nimmt Sie Alexander Tauscher mit in den wilden Westen von Kanada nach British Columbia. Wir sind in den Coastal Mountains in der Region Bella Coola. Diese Radioreise ist auf den Spuren der Grizzlybären und Schwarzbären. Die Bären sind nicht das einzige Abenteuer, denn wir fliegen mit einem Helikopter auf einen Gletscher und springen mitten ins Schneefeld. Genau soviel Adrenalin gibt es, wenn wir mit dem Wasserflugzeug über den Gletschern unsere Runden drehen. Dagegen ist unseres eco-Rafting auf dem Bella Coola River schon völlig harmlos. Kultur spielt eine große Rolle: Wir sind auf den Spuren der First Nations, der einstigen Besiedler von Bella Coola, und hören eine Sprache, die fast schon am Aussterben ist.


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Radioreise Podcast in British Columbia

Schon die Anreise ins zweitgrößte Land dieser Erde ist aufregend, wenn wir die Gletscher vor Grönland überfliegen. Nach einem kurzen Zwischenstopp in Vancouver geht es mit einer winzigen Propeller-Maschine weiter bis nach Bella Coola Valley. Die Eindrücke von diesem Flug, der plötzlich doppelt so lang dauerte wie geplant, hören Sie im Radioreise-Podcast.



Durch die Wolkendecke zwischen den Bergen führen die Piloten das Flugzeug bei dieser sehr schwierigen Landung.


Die Maschine landet etwa 800 Kilometer nördlich von Vancouver in Bella Coola Valley, dort wo sich der Pazifik große Fjorde wie in Norwegen in das Gebirge der Coastal Mountains geformt hat.


Die Gemeinde Bella Coola liegt an der Mündung des gleichnamigen Flusses in den North Bentwick Arm des Burke Channel - eine Landschaft zum Träumen.

Alexander Tauscher unterwegs in British Columbia

Nur eine Flugstunde von der Metropole Vancouver erleben wir einen für die Menschen recht harten Alltag am Rande der Zivilisation. Wir sind umgeben von Grizzly-Bären und fahren über abenteuerliche Passstraßen. Auf einigen Luxus müssen wir in diesem Urlaub verzichten, aber nicht auf guten Fisch. Im Bella-Coola-Fluss wird der große Chinook-Lachs gefischt, bekannt auch als King Salmon. Diese mächtigen Fische sind im Schnitt 12 bis 16 Kilogramm schwer. Hier können auch riesige Forellen geangelt werden, so genannte Cutthroat- und Dolly-Varden-Forellen. Sie werden bis zu 1,5 Kilogramm schwer.


Wir besuchen die Lachs-Aufzucht-Station Snootli Creek Hatchery, die Ende der 1970er Jahre gegründet wurde. Heute werden hier jedes Jahr rund zehn Millionen Eier aufgezogen. Daraus schlüpfen etwa 160.000 Fische pro Jahr.


Anschließend besuchen wir eine Lachsräucherei und führen ein Interview im Dunst des Rauches. Die ziemlich verrauchte "Bude" trägt den Namen „Frank Taleos Smoke House“.


Hier trafen wir Daisy Taleo zum Interview. Sie ist sicher nicht älter als 40 Jahre. Da sie diese Arbeit im ständigen Rauch seit ihrer Kindheit macht, sieht man ihr die Jahre des Arbeitslebens durchaus an.


Selbst Babys seien schnell an diesen Rauch gewöhnt, scherzt Daisy....


Zur Kunst des Lachsräucherns gehört es auch, den Fisch zu würzen und zu salzen. Darüber sprachen wir mit Herb Balton.


Der Song "Smoke gets in your eyes" ging uns während des Besuchs nicht aus dem Ohr und der Rauch nicht aus der Kleidung....


Der Lachs mundet nicht nur uns Menschen, auch den Bären. Deswegen kommen die Vierbeiner gern an den Fluss, um Beute zu suchen.


Frischen Fisch haben wir auf dieser Reise fast jeden Tag gegessen.


In der nächsten Etappe der Radioreise erkunden wir das Leben der Eingeborenen dieser Region: Das Volk der Nuxalk-Indianer stammt aus der Sprachfamilie der Salish. Die Indianer lebten einst an den Ufern des Bella-Coola-Flusses. Man weiß nicht genau, wann die ersten Bewohner, die damals aus Asien kamen, sich in British Columbia ansiedelten. Schätzungen gehen von einer Zeit vor etwa 12.000 Jahren aus.


Die ersten Europäer kamen erst Ende des 18. Jahrhunderts in British Columbia an, als der bekannte Kapitän James Cook an der Nordwestküste von Vancouver Island landete. Doch das waren nur einzelne Menschen. Richtiges Leben herrschte erst 100 Jahre später, als sich eine Gruppe von Norwegern im Bella-Coola-Tal ansiedelte. Die norwegische Siedlung hieß Hagensborg und ist heute noch eine der Hauptgemeinden des Bella Coola Valley. Obwohl ein Großteil der Bevölkerung der norwegischen Kolonie wieder abwanderte, blieben andere in der Forstwirtschaft und in der Fischerei tätig. Mehr über diese Geschichte erfährt man im Bella Coola Museum.


Knapp jeder zweite Bewohner sieht sich heute als Nuxalk an, aber nur wenige Menschen sprechen noch diese Sprache. Deshalb bemüht sich eine Schule in Bella Coola, diese Sprache weiterzugeben. Wir treffen in der Schule Karen Andersen, die uns ein paar Zeilen in der Sprache der Nuxalk vorlesen wird. Wir setzen uns in eine Unterrichtsstunde, wenn Tara und Vanessa mit ihren Schülern ein Lied in dieser Nuxalk-Sprache singen. Das alles hören Sie im Podcast der Radioreise.


Es ist ein sehr mühsames Bewahren dieser Kultur. Man könnte es mit dem Neulehrerprinzip nach dem Zweiten Weltkrieg in Deutschland vergleichen: Der Lehrer lernt mit ein paar Tagen Vorsprung selbst und gibt dann das Erlernte weiter.


Thomas Landnelsen, einer der Lehrer in dieser Schule, spricht von einem Puzzle.


Vor der Schule treffen wir Hugo Helisch. Er ist Geschichtslehrer in Bella Coola und zeigt uns die Häuser, die heute noch an die Zeit erinnern, als die ersten Siedler über die USA nach Kanada kamen.


Hohe schroffe Berge und gleichzeitig die unendliche Weite der Wälder – das ist das Bild dieser Region. Ein wenig hat mich dies auch an die Alpen erinnert. Und doch gibt es einen Unterschied – die Landschaft ist noch gewaltiger und vor allem: es ist hier viel einsamer, man findet kaum Zivilisation. Oftmals ist dutzende Kilometer keine Menschenseele zu finden. Natürlich gibt es in den Alpen auch wilde Flüsse, auf denen man gut raften kann. Aber es ist sicher kein Vergleich zur Wildnis in Kanada.
Wir starten zu einer Rafting-Tour im Tweedsmuir Park.


Mit dem Atnarko und dem Bella Coola River bietet das Tal des Burke Fjords gleich zwei Flussrouten durch die Natur. Ideale Voraussetzungen für einen entspannten „Floating Trip“: Mit der Strömung treiben wir flussabwärts. Rechts und links: Natur pur.


Während des Raftings gleiten wir durch die Wildnis und hoffen, auch wilde Tiere zu beobachten. Vielleicht zeigt sich sogar ein Schwarzbär oder Grizzly am Ufer? Auf jeden Fall bevölkern viele Vögel im Sommer die Ufer der beiden Flüsse. Auch Rehe, Füchse und Biber werden häufig gesehen.


Unser Rafting Guide ist erwartungsgemäß ein cooler Typ: Fraser Koroluk vom Anbieter „Kynoch Adventures“ beginnt die Tour wie üblich mit einem kurzen Sicherheits-Training.


Fraser hat uns versichert, dass das Boot ganz stabil ist. Es gebe nur wenige Stellen auf der Tour, an denen es etwas wackelig werden könne. Falls jemand doch über Bord gehen sollte, solle er sich zum nächsten Ufer treiben lassen – aber das sei ihm noch nie passiert in all den Jahren....


Frische Spuren der Bären sehen wir auf einer Sandbank!


Am Bella-Coola-Fluss haben wir auf einer Sandbank ein paar Spuren der Bären entdeckt. Unser Ranger Fraser erklärt uns, was für Spuren im Sand es sind. Wir haben auf dieser Reise noch viele Chancen, wilde Bären zu sehen und bleiben auf der Spur!


Ob Grizzlys, Schwarzbären oder Eisbären: Kanada ist das perfekte Land, um diese Tiere in natura zu sehen. An der Hudson Bay lebt das größte Landraubtier der Erde, der Polarbär. Entlang der zerklüfteten Westküste von British Columbia leben Grizzlys und Schwarzbären. Mit einer Mischung aus Neugier und auch etwas Angst, jedenfalls Respekt vor den Tieren, halten wir auf dieser Reise immer wieder Ausschau nach Bären.


Auf mehreren anderen Wanderungen sahen wir die Spuren von Bären im Gras als große plattgedrückte Flächen im Gras, so unter anderem im „Great Bear Rainforest“. Er beginnt nördlich von Vancouver und reicht bis Alaska. Dieser Regenwald ist größer als die gesamte Schweiz und zählt zu den größten gemäßigten und letzten verbliebenen Regenwäldern auf dieser Erde. Hier leben hunderte Tierarten, darunter zum Beispiel Berglöwen, Wölfe, Lachse und die letzte gesunde Grizzly-Population von Nordamerika.


Zu bestimmten Zeiten sollte man nicht unbedingt allein durch den Wald gehen; zumindest nicht ohne Schutz. Unser Begleiter auf dieser Tour, Geoff, gab uns den Tipp: Man solle im Wald pfeifen, damit die Bären von uns Menschen nicht überrascht würden.


Uns begleitete außerdem Dough Baker auf einer Wanderung durch den Tweedsmuir Park am Fluss Atnarko. Jeder Wanderführer und jeder, der in dieser Region allein in den Wald geht, hat immer ein Pfefferspray für den Notfall.


Im Frühsommer empfiehlt sich zudem ein Moskitoschutz.


In diesem Tal leben nicht nur die Bären, sondern auch der Mensch, der mit den Bären lebt: Jeff Gray. Sein Haus, das er auch vermietet, trägt den programmatischen Namen „Great bear chalet“.
Von seiner hohen Terrasse kann Jeff die wilden Tiere im Wald beobachten. Es kann dabei auch gut passieren, dass er früh aus dem Haus die Treppe runterkommt und ein Bär wartet bereits vor der Türe auf ihn. Dann heißt es: Ganz behutsam und ruhig auf den Bären einreden. Das erklärt er uns im Radioreise-Interview.


Im Tweedsmuir Park starten wir zu einem spektakulären Helikopter-Flug aus dem Tal auf ein Hochgebirgs-Plateau. Ausgangspunkt ist die historische Tweedsmuir Park Lodge. Sie ist das Tor zum größten naturgeschützten Park in British Columbia.


Hier befindet sich der Schnittpunkt der Coast Mountains, des Chilcotin Plateaus und der pazifischen Fjorde. Gerade im Spätsommer trotten die freilebenden Grizzlybären gern über den Rasen vor den Hütten.


Zahlreiche Outdoor-Aktivitäten laden dazu ein, die eindrucksvolle Naturlandschaft hautnah zu erleben.


Wir testen das Heli-Hiking: mit dem Helikopter von der grünen Wiese vor der Lodge in den Schnee auf dem Gipfel. Den Flug mussten wir immer wieder verschieben, weil die Berge in Wolken gehüllt waren und wir nicht hätten landen können. Doch dann kam der Anruf, dass wir uns schnellstmöglich bereit machen sollen, da der Himmel gerade aufriss.


Dann hieß es anschnallen, Kopfhörer aufsetzen und starten. Diesen spektakulären Start haben wir im Radioreise-Mikrofon festgehalten.


Up and away....in wenigen Sekunden liegt das Tal unter uns....


Nach wenigen Minuten landeten wir auf einem weiten Schneefeld.


Wahnsinn – das war bei den meisten in unserer Gruppe das erste Wort nach der Landung.


In wenigen Minuten – viel schneller als eine Bergbahn oder ein Lift – vom Tal auf den Gipfel des „Table Mountain“. Dieser Berg hat die Form eines Tisches. Mit dem breiten Plateau ist er ideal zum Landen für den Hubschrauber. Und hier sind unsere Impressionen. Wir tappen übers Gelände, fast wie nach einer Mondlandung...


Unsere beiden Guides Paul und Dough begleiten uns.


Wir liefen über Steine und Geröll, über Schnee und Eisreste, über erstes Moos und kleine Büsche. Immer wieder eröffneten sich neue Blick-Perspektiven.


Dieser Ausflug war fraglos einer der Höhepunkte unserer Reise.


Kurz bevor eine Gewitterfront aufzog, holte uns der Helikopter wieder ab und brachte uns sicher ins Tal.

Bei diesen spektakulären Aussichten zitterten einigen aus unserer Gruppe die Beine. Beeindruckt waren die Damen auch von Sam. Der junge blonde Skilehrer von Bella Coola Sports begleitet Touristen auf solchen Heli-Hiking-Touren.


Unsere Tour führt uns nun aus dem Bella-Coola-Tal hoch ins Chilcotin Plateau.


Der Weg verläuft über eine zunächst noch ebene, später sehr abenteuerliche Straße. Das Wort Straße ist schon fast übertrieben. Es ist eine Holperstrecke über viele Serpentinen, meistens ohne Leitplanken am steilen Abgrund. Wir haben mitunter sehr geschwitzt und versucht, nicht immer rauszuschauen. Nach zwei Stunden Fahrt erreichten wir endlich die Hochebene.


Hier zeigt sich ein völlig anderer Charakter. Die Landschaft erinnert an den Norden Skandinaviens. Seen, Kiefern, weiter Horizont, klare, frische Luft.


Am Nimpo Lake schlagen wir unsere Zelte in der kleinen Ferienhaus-Siedlung Stewart's Lodge auf.


Nach dem spektakulären Helikopter-Flug auf den Gletscher wartete auf uns ein neuer Nervenkitzel. Diesmal geht es mit einem Wasserflugzeug über die Gletscher der Coastal Mountains. Vor den Hütten standen die Wasserflugzeuge startbereit.


Wir haben allen Mut zusammengenommen und sind mit einem Wasserflugzeug aus dem Jahr 1947 gestartet.


Allerdings erfuhren wir erst, als wir im Flugzeug saßen, dass diese Maschine schon so alt ist. Mit jedem Flug markiere sie einen neuen Rekord, sagte der Pilot ganz gelassen.


Den Start dieses aufregenden Fluges haben wir im Radioreise-Mikrofon festgehalten.



Wir starteten zunächst sanft und flogen über ein großes Seenland, über Wälder und kleine Ortschaften.


Nach etwa 20 Minuten erreichten wir die Coastal Mountains.


Wir flogen teilweise schräg über die Gletscher, damit die Fotografen gute Fotos schießen konnten.


Über den Bergen hat das Wasserflugzeug, dass ja nicht für alpines Gelände vorgesehen ist, besonders heftig geschaukelt.



Die Hände zitterten vor Aufregung, der Magen war in Aufruhr, der Körper stand unter Schweiß und die Aussichten war einfach spektakulär.


Nach zwei Stunden hatten wir endlich wieder Boden unter den Füßen!


Völlig erschöpft konnten wir unseren Piloten Ducan Stewart interviewen.


Ein unglaubliches Erlebnis, ja der Höhepunkt dieser Reise, war dieser Flug über die Coastal Mountains.


Nach diesem Abenteuer mit dem Wasserflugzeug war der Rückflug nach Vancouver mit der Propellermaschine fast schon luxuriös...


Abflug von einem Flughafen, der nicht größer als eine Sportanlage ist.


Ein Terminal, das nicht größer als ein Lebensmittelgeschäft ist.


Nun heißt es Abschied vom Chilcotin-Plateau nehmen, Abschied von der Wildnis British Columbias. Wir nehmen Kurs auf die Metropole Vancouver.


Nach den Tagen in einsamer Natur kommt einem das sehr grüne Vancouver fast schon wie überlaufen vor...



Aber Vancouver heben wir uns für einen neuen Trip auf. Hier in Vancouver hatte Karl Teuschel viele Jahrzehnte einen Zweitwohnsitz. Im Radioreise-Interview schwärmt er von dieser Stadt. Wir trafen uns mit Karl beim kurzen Zwischenstopp in der Nähe des Flughafens.


Verlängern Sie gern Ihren Kanada-Urlaub. Eine tolle Radioreise begleitet Sie von Vancouver mit dem Zug durch die Rocky Mountains.
https://anchor.fm/radioreise/episodes/REISELUST---Rocky-Mountains-e24v5p

Oder folgen Sie uns nach Ontario auf eine Reise von den Niagara-Wasserfällen bis nach Toronto.
https://www.radioreise.de/2017/08/ontario-von-den-niagara-wasserfallen.html

Wir empfehlen außerdem unsere Reise in Kanadas kleinste Provinz Prince Edward Island.
https://www.radioreise.de/2017/08/prince-edward-island-kanadas-kleinste.html

Auf ein Wiedersehen in Kanada!