KAUKASUS - Die Besteigung des ELBRUS

KAUKASUS - Die Besteigung des ELBRUS


In dieser Radioreise nimmt Sie Alexander Tauscher mit in den Kaukasus. Freuen Sie sich auf die Besteigung des Elbrus, auf eine richtige Expedition.

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Wir starten unseren Aktivurlaub im russischen Mineralnye Wody, fahren dann weiter drei Stunden in die Berge und treffen dort den Rest des Teams. Uns wird heute Dominik Mohr begleiten. Er ist Reiseblogger bei Followtheshadow und Reisedepeschen und er hat uns auf diese Tour eingeladen.


Unser Ziel ist der höchste Berg Europas, der Elbrus mit 5.642 Metern. Damit Sie einen Vergleich haben: Der Elbrus ist 832 Meter höher als der höchste Berg Westeuropas, der Mont Blanc. Also wir haben heute wirklich etwas ganz Besonderes vor. 


Unsere Reise startet zunächst nach Moskau,  dort wo meine Seele ein festes zweites Zuhause hat.


Aber leider kann ich diesmal nicht länger bleiben, sondern muss den Anschluss-Flug nach Mineralnye Wody nehmen. 


Mineralnye Wody heißt auf Deutsch: Mineralwasser - denn die Stadt liegt in der Nähe eines besonders Gebietes, dass für seine Mineralwasserquellen bekannt ist. Es ist heute noch eine beliebte Urlaubsregion für Russen. Gerade die Moskauer schätzen dieses angenehm warme Klima im Sommer. Auch wir landen bei warmen 28 Grad, wie unser Flugbegleiter ankündigt.


Als unser schwerer Rucksack mit der ganzen Ausrüstung auf dem Gepäckband erscheint, sind wir erleichtert. Denn was würden wir nur machen ohne die ganzen Dinge? Angefangen bei dicken Daunenjacken und Handschuhen, Schlafsäcken, den alpinen Wanderschuhen, Wanderstöcken, Thermo-Unterhosen und noch vieles mehr. Die Eisaxt und die Steigeisen werden wir uns dann später leihen. Das Gepäck war schon schwer genug. Wir sind an einer Trennlinie von Russland zu Georgien. 


Natürlich kommen wir in unseren Gesprächen immer wieder auf das Thema Tschetschenien - schließlich liegt dieses Krisengebiet nicht weit von hier. Es ist ein großes Thema, vielleicht ein endloses, ein Thema für lange Abende beim Tee, nicht hier in dieser Sendung. Schon am zweiten Tag unserer Reise können wir nicht den kompletten Berg Cheget zur Akklimatisation besteigen. Auf halben Weg patrollieren russische Grenztruppen und ohne spezielle Erlaubnis können wir nicht weiter. 


Der Kaukasus erstreckt sich auf mehr als 1 Tausend Kilometern zwischen dem Schwarzen und dem Kaspischen Meer. Er wurde wie die Alpen durch die Erdplatten nach oben gedrückt und ragt bis zu 5.642 Meter in die Höhe. Dort möchten wir alle hin, auf den Westgipfel des Elbrus. Der Ostgipfel ist 21 Meter niedriger. Dennoch ist der Elbrus mit seinen Doppelgipfel eine wahre Pracht aus der Ferne, aber auch aus der Nähe. Und wenn wir auf den Ostgipfel steigen würden, würden wir sogar die Entstehungsgeschichte des Elbrus erfahren. Er ist ein erloschener Vulkan und seine Spitze sehr stark mit Gletschern bedeckt.


Wir müssen uns für den Aufstieg zum Elbrus vorbereiten – und das heißt in erster Linie: Wir müssen uns akklimatisieren. Wir müssen uns an die Höhe gewöhnen, damit unser Körper auf über 5.000 Metern und höher noch ausreichend Sauerstoff bekommt. Wir müssen verhindern, dass unser Körper die tückischen Höhenkrankheiten bekommt, einige können lebensbedrohlich sein. Daher fangen wir langsam an, wie Steffen aus unserem Team am ersten Tag nach der Ankunft ganz locker und lässig erklärt. All diese Details der Besteigung hören Sie sehr ausführlich in unserer Sendung. Dort nehmen wir Sie sprichwörtlich Etappe für Eappe mit auf diese spannende Tour. Hier im Blog wollen wir nur ein paar Bilder und Eindrücke vermitteln. 


Wir starten auf etwas über 2.000  Metern. Die Landschaft ist saftig grün in den niederen Höhen. Weiden, Wiesen und Bäume wechseln sich ab, bevor der Weg immer schottriger wird und der Elbrus sich final auch zeigt. Erst nur der Ostgipfel und einige Minuten später hinter der nächsten Kurve dann auch der höhere Westgipfel. Der Weg führt uns an einem Wasserfall vorbei bis hoch hinaus auf 3.100 Meter zum alten Observatorium.



Nun geht es weiter auf 3.840 Meter zu unserer Hütte am Berg. Ab jetzt heißt es "Dusche adé", es gibt kaum noch Komfort. Wir sagen "Добро пожаловать" in der Berghütte, also willkommen dort in der rauen Natur. 



Es stapeln sich gefühlte 300 Kilo an Verpflegung und 14 schwere Rucksäcke der ganzen Gruppe vor den Autos. Und das muss nun alles auf den Berg mit. Mit einer langen Menschenkette wird die gesamte Ladung vom Auto in die erste Gondel an der Talstation Poljana Asau verfrachtet.

 
Diese Gondel bringt das Gepäck zur mittleren Station "Stary Krugosor" auf deutsch „Alter Rundblick“. Hier ist Umladen gefragt und so fährt keine halbe Stunde später die ganze Ladung weiter zur oberen Station „Mir“. Das ist in dem Fall die Bergstation und nicht die Raumstation.


Inzwischen sind wir auf 3.800 Meter Höhe auf einer Berghütte am Elbrus angelangt. Diese Hütte wird unser Zuhause für die nächsten fünf Tage sein. Am Berg gibt es unzählige verschiedene Hütten, und zwar in allen Varianten. Das kann ein alter Tank sein, der zu einem Schlafplatz umgebaut wurde es kann aber auch eine Luxusunterkunft sein. 


Wer noch weiter das Abenteuer sucht, der kann an den Hängen zelten. Das ist freilich mitunter ein stürmisches Erlebnis. Da ist unsere Hütte schon fast die gehobenere Klasse. „Heart Elbrus“, das Herz des Elbrus, verbindet Baucontainer-Charme mit bequemen holzgetäfelten Zimmern. Hier oben treffen wir Palina, die Hüttenwirtin. Oder wie sie sich selbst nennt, die Managerin: Eine junge Dame aus Moskau, die mit uns beim Tee plaudert. Hören Sie mehr dazu in unserem Podcast!


Das Wetter hält uns in Atem und pustet uns mit bis zu 50 km/h fröhlich entgegen. Drei Tage brauchen wir zum Trainieren und zum Gewöhnen ans Klima. Dimitry erklärt uns, wie wir mit der Eisaxt am nächsten Tag bis zum Gipfel kommen. 




Zum Abendessen wird es schon fast andächtig ruhig. Alle sind jetzt schon mental im Bett. Der Wecker wird bei den ersten schon um 23 Uhr wieder klingeln. Denn um Mitternacht gehen die Ersten los.


Jetzt ist der große Tag endlich da – der Tag, an dem wir den Gipfel des Elbrus besteigen werden. Schon um 23 Uhr nachts klingeln die Wecker für die ersten beiden Bergsteiger Dominik und Günter. 23 Uhr aufstehen. Um Mitternacht ist ihr Abmarsch geplant. Die beiden und ihre Bergführer müssen jetzt knappe 1.000 Höhenmeter überwinden, und das in der dunklen eisigen Nacht. 


Drei-ein-halb Stunden später treffen die beiden Expeditionsgruppen am Absetzpunkt der Schneeraupe an den Pastukhov Felsen wieder zusammen. Dominik und Günter haben schon gewartet und sind leicht durchgefroren. Der Wind bläst noch stärker als erwartet. Im Zickzack geht es den steilen Berg hinauf. Jede Spur, jeder vorhandene Tritt macht den Aufstieg einfacher. Jede Wendung bringt für den Körper abwechselnd links und rechts eine kurze Erholung von dem Wind. 


Inzwischen finden sich immer mehr Bergsteiger am Berghang ein. Aus wenigen Irrlichtern werden schnell ganze Lichterkolonnen am Berg. Die steile Flanke ist jetzt mitten in der Nacht erleuchtet.

Die Gruppe schnauft immer höher. Zu Dimitry haben sich noch drei weitere Guides gesellt. Für je drei Gipfelstürmer ein Guide. Es wird kein Wort gewechselt. Jeder schaut auf die Schuhe seines Vordermanns.


Jede Stunde gönnen sich die Bergführer eine Zigarette. Allen bleibt so schon die Luft weg, aber für die fünf Minuten Pause werden dennoch dankbar angenommen. Kurz nach 4 Uhr sind die ersten Orangetöne am Horizont zu erkennen. Die Sonne geht langsam auf und die Kopflampen werden gegen Sonnenbrillen getauscht. 


Um 9 Uhr morgens erreicht die Expedition endlich den Gipfel – den langersehnten Elbrus.
Einigen steht die Erschöpfung ins Gesicht geschrieben. Aber auch Freudentränen sind hier und da zu sehen. Wir alle haben es geschafft, wir haben den höchsten Berg Europas bezwungen. 


Die Fahne Russlands, sie weht stolz vor uns. Wir sind in einem stolzen Land, wir sind auf stolzer Höhe, vor allem sind wir stolz auf uns selbst. Der Richtigkeit halber sei hier betont, nicht Alexander Tauscher hat es geschafft, Dominik Mohr hat es geschafft. Deshalb gehört ihm auch die große Party, die wir am Ende dieser Sendung feiern. In der Radioreise feiern wir akustisch mit.



Mehr Infos zu dieser Tour und viele andere Reise-Geschichten in alle Welt unter:

www.followtheshadow.de/

und

www.reisedepeschen.de/

Vielen Dank an den Reiseblogger Dominik Mohr für diese tollen Geschichten aus dem Kaukasus!


Auf ein Wiedersehen im geliebten Russland!



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