Jerusalem Open House

Jerusalem Open House

Kommen Sie mit in eine Reise hinter die Kulissen der heiligen Stadte. Eine Tour in sonst geschlossene Häuser, eine Reise zu bewegenden Orten und bewegenden Menschen und natürlich ein paar der Klassiker von Jerusalem.

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Ein Blick hinter die Kulissen


Freuen Sie sich auf den Zionsberg von einer ganz besonderen Perspektive aus, besuchen Sie mit mir die spektakulärsten Ausgrabungen des 20. Jahrhunderts, kommen Sie mit in ein besonderes grünes Tal von Jerusalem mit heiligen Quellen, und feiern Sie dort den Shabat ganz privat in Familie, in einem idyllischen Refugium. Außerdem besuchen wir eine schwedische Künstlerin, die es ins heilige Land gezogen hat, die mehr als ein Dutzend Kinder adoptierte, wir besuchen sie in ihrem Künstlerhaus, ein besonderes Erlebnis.

Jerusalem Open House, einmal im Jahr öffnen besondere Gemäuer in der heiligen Stadt ihre Pforten, und wir sind dabei. Natürlich sollen die Klassiker wie Klagemauer und Grabeskirche nicht fehlen. Und Sie können sich auf das Nachtleben von Jerusalem freuen, etwas ganz Ungewohntes, etwas ganz Besonderes, für mich ein Wiedersehen.


Wer die Reise nach Jerusalem antreten will, der fliegt meistens bis Tel Aviv. Von da aus braucht man maximal eine Stunde mit dem Auto hoch in die Berge von Jerusalem. Auf dem Flug nach Tel Aviv, da begann schon die erste Geschichte dieser Radioreise, denn es war ein ganz besonderer Flug, ein recht kleines Flugzeug, mit einer großen Hochzeits-Gesellschaft, die auf dem Weg ins heilige Land war. Ich habe ja mein Radioreise-Mikro auch in der Kabine immer an Bord und so gibt es ein Interview über den Wolken, auf dem Weg nach Israel.

Jerusalem, dorthin schauen Milliarden Menschen auf dieser Welt. Dorthin beten Millionen Menschen in Europa und Nahost, in Amerika, Australien, Afrika, die Stadt der drei Religionen, Christen, Juden, Muslime. Eine Stadt, die sich immer weiterentwickelt, die das Alte mit dem Neuen verbindet. Israels kulturelle und sprituelle Hauptstadt, wie heißt es, Jerusalem kann ohne Israel leben, aber Israel nicht ohne Jerusalem. Für Millionen Menschen dieser Welt ist der größte Wunsch, einmal im Leben diese heilige Stadt zu besuchen. Die Christen zieht es natürlich zur Grabeskirche, dort beginnen wir den Stadtrundgang mit unserem Guide Or Ben Ami.


Danach laufen wir weiter aus dem christlich arabischen Viertel der Altstadt, auf den Zionsberg, vor die Stadtmauer und auf den Berg Zion, mit der Dormitio Abtei, mit dem Davids-Grab, dem katholischen Friedhof und dem Grab von Oskar Schindler. Äußerlich sind wir außerhalb der Altstadt, und dennoch sind wir mitten drin, betont unser Guide.

Pray for the peace of Jerusalem, ein Gebet, dass man gar nicht oft genug lesen kann. Übrigens in einem Nobel-Hotel in der Innenstadt gibt es dazu ein neues Kunstwerk: Vögel aus Porzellan, hängen in der Luft, vor eben dieser Schrift „Pray for the peace of Jerusalem“

Wir sind direkt vis á vis des Zionsberg, im Mount Zion Hotel, ein sehr altes Gemäuer, mit einer der besten Aussichten in Jerusalem, nämlich dem Blick auf den Zionsberg und direkt über dem Tal „Harmagedo“ - also dem Ort des Jüngsten Gerichts, der Entscheidungsschlacht im „Krieg des großen Tages Gottes, des Allmächtigen“.

Diese wunderbare höllische Kulisse haben die Gäste dieses Hauses, ich war in der Abend-Sonne dort, als der Zionsberg angeleutet war. Einfach unbeschreiblich! Vor dem Hotel ein Pool, aus dem Pool schaut man auf den Zionsberg. Hanan Sommerfeld zeigte uns das Haus. Und zwar für Gäste, die ganz gut betucht sind, man hat uns da ganz edle Suiten, ein richtig kleinen Palästen, immer mit dem Blick auf die Altstadt, eine ja so quirrlige Stadt und trotzdem ist dieser Garten vor dem Hotel eine Insel der Ruhe. Man hört nur die Vögel und ab und zu die Glocken der Kirchen. Es ist ein Luxus, hier zu übernachten, aber es muss kein Luxus sein, den Geist von Jerusalem zu spüren. Hier im Whirpool, die Glocken zu genießen, das hat sicher seinen besonderen Reiz.

Wir gehen nun in ein neues Gebäude, dass sich aber mit der ganz alten Geschichte befasst: das Israel, Museum, die größte Kultur-Sammlung des Staates. Ein großer Park, mit beeindruckenden Exponaten der Archäologe Joa Fachi ist dort unser Guide. Einer der sichtbarsten Punkte, eines der Highlights, ist der so genannte „Schrein des Buches“. Ein weißes rundes Gebäude mit lang-gezogener großer Kuppel. Darin liegen sie, die wertvollsten Ausgrabungen des 20. Jahrhunderts, nämlich die Schriftrollen aus Qumram am Toten Meer. Die ältesten biblischen Manuskripte der Welt.

Neben diesem „shryn of books“ liegt im großen Museums-Park das Modell „Jerusalems zur Zeit des Zweiten Tempels“. Es erinnert an das antike Jerusalem während seiner Blütezeit im Jahre 60 nach Christus. Damals brach ja der große Aufstand gegen die römischen Herrscher aus, als der jüdische Tempel und die Stadt zerstört wurden.




Wir gehen nun mit unserem guide Ore Ben Ami an die Klagemauer am Tempelberg. Es sind sicher schon Millionen kleine Zettel mit Wünschen nach Frieden und Glück zwischen die Steine der Klagemauer gesteckt worden. Manchmal hat man das Gefühl, dass niemand diese Zettel liest, aber der Blick zurück zeigt, es war nie richtig ruhig in Jerusalem. In den letzten 3.000 Jahren wurde Jerusalem erobert, zerstört und wieder aufgebaut. Jedes Zeitalter hat ein Merkmal hinterlassen. Vieles sehen wir über der Erde und immer wieder wird unter der Erde Neues und Altes gefunden. Gehen wir jetzt dorthin, wo man nicht jeden Tag hinkommt, in die David-Stadt, südlich des Tempelbergs, westlich des Kidrontals. Es ist der älteste besiedelte Teil von Jerusalem. Besucher sehen hier zum Beispiel den Teich von Siloah, die Gihon-Quelle und den Hiskija-Tunnel. Wenn man durch diesen Tunnel läuft, sieht man das Wasser von dieser ganz alten Quelle. Dort hindurch hat mich Michael Baror geführt.


Herzliches Wiedersehen in Jerusalem

Die meisten kommen nach Jerusalem, um die Altstadt zu besuchen, nichts kann tausende Jahre an Geschichte übertreffen, doch die weniger alten Sehenswürdigkeiten sind genau so spannend, auch weil hier ein ganz anderes Leben herrascht, die Jaffa-Straße, die Ben Yehuda-Straße, der Shouk, und vieles mehr. In diesem Dreieck tummeln wir uns, wenn uns der junge Daniel Nachmias durch das Nachtleben von Jerusalem bringt. Wir saßen ganz entspannt draußen vor einer Bar in einer lauen Sommernacht am Donnerstag, der Ausgeh-Abend vor dem Shaba. Wir tranken einen besonderen Schnaps: ein wenig Zitrone und Anis, ein Schnaps der sehr im Trend in Israel ist, wie unser junger Guide Daniel betont, er ist selbst Geschäftsführer einer Bar in Jerusalem.

Als wir beim Schnaps saßen, kam der Chef der Bar, er heißt Shy und ich erinnerte mich, dass ich mit ihm zwei Jahre zuvor schon mal ein Interview geführt hatte. Ein herzliches Wiedersehen in der heiligen Stadt. Ich fragte ihn, weil mir das sofort auffiel, warum das Logo von „Radio freies Jerusalem“ nicht mehr vor seiner Bar zu sehen ist. Damit sind schon wieder bei der Politik, obwohl wir doch nur übers Nachtleben reden wollten. Aber so ist das nun mal auf diesem heißen Pflaster. Nach ein paar Drinks im „Radio Cafe“ überquerten wir so gegen 23 Uhr die Jaffa-Straße. Überall junge Menschen in den Cafes und Bars, und dann sah eine Gruppe junger Männer, mit Kippa, Musik spielen, mit Instrumenten und Gesang, mitten auf der Straße. Auch so klingt sie, die Nacht in West-Jerusalem, die Nacht vor dem Shabat. Übertragen auf uns, der Freitagabend, die Cafes brechend voll, eine ganz lebendige Szene, vom Rock-Blues-Shuppen bis zur Retro-Bar. Die war ganz versteckt, hinter einem Bücher-Regal im Vorraum. Das Regal, öffnet sich und man ist mitten drin, in der Bar. Ein Tipp ist das kleine Viertel „Nachalat Schiwa“ mit engen Gassen und Bars und dann lief ich nachts mit unserem Guide Steven über den „Machane Yehuda“-Markt, der nachts eine Partymeile ist..


Das Nachtleben in Jerusalem, vor dem Freitag. Am Freitag selbst ist nochmal bis Mittag Hektik und Lärm. Viele müssen noch arbeiten, andere, die schon frei haben, kaufen ein, für den Shabat und ab dem Nachmittag kommt alles zur Ruhe. Abends sind dann kaum noch Autos auf den Straßen, die Stadt hält inne. Mit dem Sonnenuntergang beginnt in der jüdischen Welt, der Shabat und den erleben wir in einem kleinen grünen Tal von Jerusalem, im Ortsteil Ein Kerem.

Es ist eines der Privathäuser, dass bei „Jerusalem Open House“ seine Tore für jedermann öffnet und so konnte ich in der Küche bei Ovrat über die Schulter schauen, als sie gerade einen Salat für den Shabat-Abend geschnitten hat. So feiert diese Familie den Shabat

Wir besuchen Häuser, die sonst verschlossen sind. So zum Beispiel eine alte, prächtige Villa im grünen Tal von Ein Kerem. Wenn man durch das Tor in den Garten läuft, fühlt man sich sofort wohl. Alte, große Bäume, gemütliche Sitz-Ecken und ein offenes Haus. Offen in aller Beziehung, denn die Gastgeber leben vom Besuch. Rachel und Gilat und man hört gleich, dass der Gilat ist kein geborener Gilat ist. Es ist Günther aus Österreich, der sich nun Gilat nennt. Seine Freunde saßen am Tisch im Garten. Wir tranken Pfefferminz-Tee und sangen gemeinsam und das gemeinsam mit Journalisten aus Frankreich, Italien und Russland. Allen voran sang Rachel. Oh Gott, die Zeit verging so schnell an diesem Shabat-Abend, wir haben uns ein wenig festgesessen bei den beiden, aber Gilat zeigte uns noch einen biblischen Ort mit Quelle unterhalb seines Hauses.


Zum Schluss besuchen wir zwei ganz besondere Häuser. Zunächst besuchen wir die Griechische Gemeinde von Jerusalem, im „Dr. Eflides Residence“. Dort spielt uns Zarifis Zarifophulus auf seiner Busuki ein paar alte Lieder aus den späten 20-igern. Lieder, die auf noch ältere Musik zurückgreifen, die damals etwas modernisiert wurden.

Anschließend besuchen wir die Künsterin und Autorin Brigitta Yavari Ilan, die das Buch schrieb: „My heart took this way to Jerusalem“. Es ist eine schwedische Künstlerin, als Brigitta Andersson geboren. Sängerin, Autorin, Malerin. Sie zog es vor einem halben Jahrhundert nach Jerusalem. Dort hat sie ein Haus mit Traumblick bezogen. Mit Blick auf den Zionsberg. Hier schreibt sie ihre Texte, malt ihre Bilder, hört ihre eigene Musik und einmal im Jahr lässt sie ihre Fans in ihr Haus und erzählt gern, warum sie aus Schweden einst nach Israel kam. Eine sehr berührende Frau, mit der wir sicher eine ganze Sendung füllen könnten. Ihre Hör-Bücher erzählen ihr Leben. Jerusalem Open House, das ist ein Motto, im doppelten Sinne. Häuser öffnen sich, aber auch die Stadt. Ein Zeichen für Toleranz und gegen Gewalt, sagte mir Bürgermeister Nir Barkat.


Damit sind wir auch schon am Ende unserer Tour hinter die Kulissen der heiligen Stadt. Wir haben so viele Geschichten aus Jerusalem gehört. So viel Geschichte über diesen Ort begriffen. Eine Stadt, in der die Steine sprechen könnten, so viel haben sie erlebt.

Shalom! Also, lasst uns gehen, auf die Reise nach Jerusalem...
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