LISSABON - Die Stadt auf den sieben Hügeln

LISSABON - Die Stadt auf den sieben Hügeln


In dieser Radioreise bringt Sie Alexander Tauscher nach Lissabon, er läuft und fährt mit Ihnen durch die Stadt auf den sieben Hügeln.

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Lissabon liegt dicht an der Atlantik-Küste und ist dennoch eine Stadt auf sieben Bergen. Enge steile Gassen führen überall hoch und runter. Zu Fuss kann das schweißtreibend sein, gerade an heißen Sommertagen. Joggen über die Berge ist sicher nur etwas für Durchtrainierte. Aber es gibt eine gute alte Dame, die schafft jeden Berg jeden Tag: Die nostalgische Tramlinie 28 durch die Altstadt. Sie fährt mit den historischen alten Wagen und ist damit eines der beliebtesten Postkarten-Motive in Lissabon.


Die gute alte Straßenbahn in Lissabon wird meistens von älteren Frauen und Männern geführt, die geduldig die Wagen über die sieben Hügel bringen. Sie bewahren immer eine meditative Ruhe –
egal, ob wieder ein geparkter Getränkelaster den Weg versperrt oder Touristen auf den Schienen stehen. Mehrere Linien und historische Sonderzüge rattern durch die engen Gassen. 


Die Straßenbahn von Lissabon wird manchmal auch von Künstlern bemalt und gehört einfach zum Stadtbild. Sie ist oft ein Werbeträger für die Marken der Neuzeit. 


Am 31.August des Jahres 1901 begann die Ära der Straßenbahn. Damals löste die elektrische Tram die von Pferden gezogenen Straßenbahnen, ab. Ein Jahr später waren alle Gleise elektrifiziert, auch die steilen Straßen der Alfama. Ende der 50er Jahre war die Hochzeit der Bahn mit einem Netz von mehr als 80 Kilometern kreuz und quer durch Lissabon. Sie führt vom Praça Martim Moniz durch die Altstadtviertel Gracia, Alfama, das Zentrum Baixa am Flussufer, den Berg hinauf in den vornehmen Stadtteil Chiado und in das Ausgehviertel Bairros Altos. Ein Geheimtipp ist die betagte Straßenbahn längst nicht mehr. Im Gegenteil: An den Haltestellen bilden sich oft lange Schlangen von Touristen und in der Bahn steht der Tourist nicht selten dicht gedrängt. Unser guide Carmo zog den passenden Vergleich zur Sprotten-Büchse.


Wie eine gemächliche Achterbahnfahrt kommt mir die Linie 28 vor. Vom Martim-Moniz-Platz, eher noch mit kalten Beton- und Glasfassaden, obwohl er nach der Expo etwas aufgehübscht wurde, fährt die Bahn mit ein paar Stopps auf den Graça-Hügel nah am berühmten Mauren-Kastell. Der Aussichtsplatz an der Kirche Igreja de Graca ist ein idealer Halt für einen Espresso.




Die Hauptstadt von Portugal ist die größte Stadt des Landes. Lissabon wurde einst von den Phönixern gegründet. Schon unter Julius Cäser bekam Lissabon das Stadtrecht. Im Jahr 711 fiel sie wie der größte Teil der Iberischen Halbinsel an die Mauren. Beim Zweiten Kreuzzug wurde Lissabon wieder portugiesisch und damit christlich. Nach der Verlegung des Königssitzes von Coimbra durfte sich Lissabon stolz Hauptstadt von Portugal nennen.



Im 15. Jahrhundert entwickelte sich Lissabon zu einer der glanzvollsten Handels- und Hafenstädte der damaligen Zeit. Doch dann brachte ein gewaltiges Erdbeben Mitte des 18 Jahrhundert den wirtschaftlichen Niedergang der Stadt. Diese wechselvolle Geschichte erlebt der Besucher im Schnelldurchlauf im Story-Center, vor dem dieser nette Ticketverkäufer die Radioreise-Hörer herzlich grüßte.


Mit unserem guide Carmo genießen wir anschließend den Blick vom Dach des Triumpf-Bogens auf Lissabon, an der Nordseite des Praco do Comercio. 






Lissabon liegt an einer Bucht am nördlichen Ufer der Flussmündung des Tejo in den Atlantik.
Am Ufer zieht sich die Stadt entlang und vom Ufer aus steigt sie stufenförmig an mehreren Hügeln empor. Rund eine halbe Million Menschen leben in Lissabon, wobei es schon mal deutlich mehr waren. Inzwischen entziehen sich mehr und mehr Einwohner dem Trubel der Stadt und ziehen aufs Land. Die Touristen aber zieht es genau in den Trubel.


Besonder groß ist der Trubel am Handelsplatz, dem Praca do Commercio. Früher Platz war es der Platz vor dem Königspalast. Von diesem Platz aus führt die große Fussgängerzone an den Fuss der Oberstadt. Direkt am Platz befindet sich unter schattigen Arcaden ein Cafe, dass ich Ihnen unbedingt empfehle, das „Café Martinho da Arcada".


Ich hoffe, der Inhaber, Mister Antionio, ist da wenn Sie dort sind. Ein liebenswürdiger Mann, sicher über 70 Jahre alt, die grauen Haare korrekt zum Scheitel gekämmt. Er ist eine absolute Plaudertasche und ist eigentlich damit beschäftigt, seine Gäste an den Tischen zu unterhalten. Mister Antonio hat mir stolz erzählt, dass bei ihm sogar schon Gerhard Schröder zu Gast war. Bekannt ist dieses Cafe aber vor allem wegen Fernando Pessoa. Er war einer der größten portugiesischen Dichter und hatte hier im am weiträumigen Praça do Comércio sein Stammlokal.
Mister Antonio ist natürlich Teil unserer Radioreise.


"Öl, Wein und Freunde - je älter, desto besser." Mit dieser portugiesischen Weisheit verlassen wir Mister Antonio, auch wenn wir gern noch viel länger mit ihm geplaudert hätten.


Lissabon gilt als ein Zentrum des Fado. Diese Musik ist in Portugal das, was der Flamenco in Spanien ist: Eine Tradition und ein Lebensgefühl, oft schwermütige Gesänge. Inzwischen gehört der Fado zum Weltkulturerbe der Unesco. Ein guter Startpunkt für Interessierte ist das Fado-Museum, ein rosafarbenes Haus mitten in der Alfama. Dort passt das Museum ideal,  denn in den engen Gassen hängt die Wäsche zwischen den Häusern,  ältere Menschen schauen aus dem Fenster und abends tauchen die Laternen die Gassen in ein gelbes Licht, so wie in einem vergilbten Film.



In unserer Radioreise klingen immer wieder Fado-Lieder an, vor allem mit Gesängen über Lissabon. Da darf natürlich ein Lied über Lissabon nicht fehlen:"Lissabon gehört nicht  den Franzosen, gehört nicht den Portugiesen sondern nur den Einwohnern selbst." So in etwa sang die große und unvergessene Amalia Rodrigues, an die wir erinnern.




Der Fado wird oft in einer dämmrigen Bar in Lissabon gespielt. Die Lieder klingen oft wie ein Wehklagen. Es sind eben Lieder aus der Seele. Am Ende lächelt der Sänger selig, und die Zuhörer
tun es ebenso. Unser musikalisches Souvenir in der Radioreise ist neben dem Fado auch der Stockfisch. Sie finden ihn in jedem gut sortierten Laden, wie in diesem Traditionsgeschäft.



Die traditionelle portugiesische Küche ist einfach, rustikal und deftig. Fisch und Fleisch, Reis und Kartoffeln. Oft kommt das alles gleichzeitig auf den Teller. Ich genieße in Lissabon, wann immer es geht, frischen Fisch.




Das beliebteste Nationalgericht ist der Stockfisch und die gebratenen Sardinen, auch die haben die Portugiesen auch zum Fressen gern.


Ein guter Ort, um typisch Einheimisch zu essen ist der „Marcado Campo de Ourique“: Ein großer Markt, der nah an der Endstelle der legendären Tramlinie 28 liegt. Anna führt in der Radioreise bei einem Glas gutem Wein und jetzt gedanklich über diesen Markt.





Unterwegs treffen wir Weinproduzenten aus der Region Lissabon, Fischverkäufer und die dienstälteste Verkäuferin auf diesem Markt - Aurora.


Ein ganzes Leben für einen Verkäuferjob im Markt von Lissabon. Als ich Aurora traf, hatte sie gerade eine kurze Mittagspause neben ihrem Verkaufsstand. Sie an einem kleinen Tisch und löffelte aus einer Schale. Neben ihr saß eine alte Frau mit Kopftuch, die mich liebevoll an eine russische Babuschka erinnerte.


Lissabon ist familienfreundlich, wenn man es richtig plant. Darüber sprach ich mit Roman Stern.
Der Schweizer leitet gemeinsam mit seiner Frau Chitra die Martinhal-Gruppe in Portugal
Dazu zählen auch die „Martinhal Lissabon Chiado Family Suites“ - mitten im Herzen von Lissabon.


Ich sprach mit dem mehrfachen Familienvater über dieses luxuriöse Familienhotel in der Stadt und seine Tipps für den Familien-Urlaub in Lissabon.


Mehr Infos dazu auch unter: https://www.martinhal.com/chiado/de/


Mit einem Kinderclub bietet das Hotel auch die Möglichkeit, dass die Eltern ein paar Stunden die Stadt auf eigene Faust erkunden, vielleicht abends gepflegt Essen gehen und ein wenig Nachtleben spüren, denn das ist legendär in Lissabon. Es beginnt mit dem gepflegten Sundowner am Hafen.





Abends beginnen die Straßen von Lissabon ganz neu zu leben...




Das richtige Nachtleben beginnt erst nach Mitternacht. Die Bars sind bis in die frühen Morgenstunden geöffnet und das „Bar Hopping“ ist sehr beliebt. Meistens ziehen die Einheimischen bis 4 Uhr nachts von Bar zu Bar. Dann gehen Sie noch in einen der vielen Clubs und kehren erst bei Sonnenaufgang zurück nach Hause. Carmo gibt uns ein paar Tipps für die angesagtesten Clubs in Lissabon.



Lissabon hat mich überwältigt. Die Zeit war viel zu kurz, daher gilt unser Motto diesmal erst Recht.

Auf ein Wiedersehen in Lissabon!

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