BELGRAD - Die geheime Partymetropole Europas

BELGRAD - Die geheime Partymetropole Europas


In dieser Radioreise nimmt Sie Alexander Tauscher mit nach Belgrad. Belgrad ist ganz sicher nicht ein Top-Reiseziel in Europa, aber die serbische Hauptstadt ist immer mehr im Kommen. Immer mehr Menschen entdecken Belgrad als die Partymetropole Europas.

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Foto: Marko Savic

Keine Frage: Belgrad hat kaum Superlative zu bieten. Aber wer einmal hier war, ist schnell begeistert von der Hauptstadt Serbiens. Vielleicht liegt es an der Mischung aus Balkan, Mediterranem und ein wenig Habsburger Flair.


Simonida Popov Dihovchini begleitet uns in unserer Sendung durch Belgrad. Den Rundgang unterlegen wir mit Musik aus Serbien, mit Liedern über Belgrad und dem Klang des Balkan. Mal schmachzend, mal packend. Dazu gehört natürlich auch Musik eines ganz Großen vom Balkan, der heute in Belgrad lebt: Goran Bregovic.


Belgrad ist ein Drehkreuz für den Verkehr zwischen Mitteleuropa und Südost-Europa. Die Stadt ist das Tor zum Balkan, liegt am Rand der großen Pannonischen Tiefebene und ist im Prinzip auch der Rand der Balkan-Halbinsel.


An vielen Orten der Stadt hört man Presslufthämmer. An ganz vielen Stellen der Stadt wird gebaut. Belgrad hat noch viele unsanierte Ecken, das ist unübersehbar – auch im Zentrum. Genauso übersehbar ist, dass viel restauriert wurde und wird. Wer auf puristische Schönheit setzt, der wird in Belgrad sicher enttäuscht. Das Zentrum wirkt ein bunter Haufen, was Architektur betrifft. Das kann auch seinen Reiz haben, erklärt unser guide in der Sendung.


Für mich war es ein kleines Heimspiel. Da ich Russisch gut verstehen und sprechen kann und das Serbische sehr nah am Russischen liegt, konnte ich mich gut verständigen. Ich war besonders glücklich, auch noch in einem Hotel namens "Moskau" übernachten zu können.


Meist wird in Serbien beide Schriftarten benutzt, Kyrillisch und Latein. Auffällig ist, wieviele Menschen gut Englisch sprechen, oft viel besser als wir. Das liegt daran, dass hier die englischen Filme im Fernsehen nicht synchronisiert werden. Manche Beschriftungen sind sicher nicht ganz orthografisch korrekt, sprechen aber für sich....



Serbien ist bekannt für seinen Honig. An vielen Stellen in Belgrad wird er direkt von Bauern verkauft. Bekannt in Serbien ist der Homolje Honig aus Ost und Südserbien. Er soll gut für die Verdauung und das Immunsystem sein. Es heißt, dass er die Augen schärft und die Stimme stärkt. Das freut mich als Sprecher. Noch mehr freut mich, dass dieser Honig sogar helfen soll, Gewicht abzunehmen. Auf meinem Rundgang durch Belgrad fielen mir gleich russische Produkte ins Auge.


Direkt im Zentrum finden Sie das Nationalmuseum, das Ethnografische Museum, den Palast der Fürstin Ljubica, das Museum der serbisch-orthodoxen Kirche, das Zepter Museum, das Museum für Angewandte Kunst, die Fresken-Galarie und so weiter und so fort…Es wird also nicht langweilig, sollte das Wetter mal nicht passen. Vor dem Parlamentsgebäude hatte ich Mühe, unseren guide an den Sturz des Milosevic-Regimes zu erinnern.


Wir starten unseren Abend im Boheme-Viertel Skardalja. Es heißt, wer in Skardalja nicht war, der war auch nicht in Belgrad. In vielen der urigen Kneipen und Restaurants wird abends Live-Musik gespielt, viele Klänge vom Balkan und die berühmte Starogradska Musika.


Einheimische saßen an unserem Nachbartisch und die Musiker bezirtzelten sehr lang die Runde. Immer wieder schoben die Gäste ein paar Scheine in die Geige, wo es doch im Serbischen heißt: "Geld ist ein Seelenverderber."

Nach dem Abendessen starten wir in das Nachtleben - mit dem besten Mann, der dafür in Frage kommt: der junge Marko Mavic. Ein ganz lockerer cooler Typ: lange Haare, Mütze, Trainingshosen, langer Pulli. Vorgefahren kam er mit einem dicken Auto bayerischer Fabrikation. Marko zeigte mir mir ein paar Hotspots wie das Mixer House.


Das Nachtleben in Belgrad steckt oft hinter morbiden Fassaden. Dort verbergen sich hippe Clubs, in denen man sich westlich, international und vor allem lebenslustig gibt. Marko Mavic kennt sie alle: Alle Clubs, alle Clubbesitzer – denn über seine Website vermittelt er gerade für Touristen die besten Plätze in Clubs, Discos oder Bars. Wo auch immer wieder eintrafen - Marko wurde umarmt, geküsst, zum Drink eingeladen. Einer seiner Freunde rief immer wieder: "Marko is the King of Serbia“.


Nach schon kurzer Zeit dröhnten mir die Ohren. Marko nahm einen letzten Schluck und setzte seinen schnellen Schlitten in Bewegung, wieder zurück Richtung Innenstadt. Vor allem die Save aufwärts reihen sich die Bars, Lounges und Clubs auf den Hausbooten aneinander. Gefälliger Elektro, dabei gern House, ist auf den meisten Booten angesagt. Selbst Metal-Fans kommen auf ihre Kosten – zumindest im Sommer-Halbjahr. Auf der Save und Donau liegen dann auch viele schwimmende Restaurants. Auch im nächsten Club war Marko pausenlos am Bussi geben. Marko hat viele Freunde und noch mehr Freundinnen. Der attraktive junge Mann hat sicher viele weibliche Fans im Nachtleben.


Nach dieser langen Nacht müssen wir uns am nächsten Tag ordentlich stärken. Mich hat der junge Dordje begleitet zu einer von ihm entwickelten „Food and Culture Tour“ durch Belgrad begleitet. Diese Tour bietet er in mehreren Sprachen an. Es ist ein Restaurant-und Kneipen-Hopping, an jeder Station wird ein anderer Gang serviert.


Kulinarisch haben die Serben von den fremden Mächten verschiedenste Speisen übernommen: Von den Türken übernahmen die Serben neben Cevapcici die Kunst, salzige und süsse Genüsse in hauchdünne Teigblätter zu verpacken. Von den Ungarn bekamen sie Gulasch sowie Fischsuppe. Und von den Habsburgern Mehlspeisen wie Kiflice, eine Art Gipfeli, Krofne (Krapfen) sowie Torten.


Unsere erste Station begann etwas Süßer als ich mir es vorgestellt hatte. Denn zu dem türkischen Kaffee gab es dann auch noch keine Zwetschenknödel – als Beweis für den Einfluss der Habsburger. Neben allem stand ein Fladen Weisbrot – auch das hat seine Bewandnis, wie Sie in der Radioreise hören werden.


Es folgte ein Restaurant, in dem wir serbischen Schinken und Käse probierten. Am Ende dieses Rundgangs stießen wir mit einem Raki auf diese kalorienreiche TourTour an.


Ein Tipp zum Ausgehen ist Zemun. Die einstige Grenzstadt zwischen zwei Reichen besticht mit einer Atmosphäre der K und K – Monarchie.


Mein Tipp ist der Bauernmarkt von Zemun: Hier verkaufen oft Bauern oder ältere Frauen selbstgemachte Marmelade und andere Leckereien.


Serbien ist auf dem Weg vom Gestern ins Morgen, von Jugoslawien ins vereinte Europa. Dies ist ein langer Weg, der manchen in Serbien als viel zu lang vorkommt. Sicher will auch nicht jeder diesen Weg mitgehen.


Die jüngste Geschichte Serbiens ist natürlich untrennbar mit dem Balkan-Krieg der 90-iger Jahre verbunden. Ich erinnere mich noch, wie ich im Juni 1991 im rias2 Verkehrsservice von ersten Grenzschließungen in Slowenien hörte. Das klang noch sehr harmlos. Es folgten zwei Wochen Krieg in Slowenien, ein jahrelanger Krieg in Kroatien, der in Bosnien-Herzegowina noch viel länger dauerte. Es endete Ende der 90-iger Jahre im Krieg um die Eigenständigkeit des Kosovo. Da fiel der Krieg auch auf direkt auf Serbien zurück, als die NATO Stellungen in Serbien, vor allem in Belgrad und Novi Sad bombardierte. Ein paar der zerstörten Gebäude stehen heute noch als Mahnmal in Belgrad.



Nach dem Balkankrieg begann die Aufarbeitung des Krieges – oft sehr zäh.
Gerade in dieser Zeit hat der Balkan-Reporter Thomas Roser viele Reportagen geschrieben. Er beliefert von Belgrad aus viele deutsche Zeitungen mit Informationen aus Serbien und den anderen Staaten Ex-Jugoslawiens. Mit ihm sprach ich über sein Bild von Serbien und Belgrad.


Nach dem Motto "save the best for last“ möchte ich Ihnen nun meinen Lieblingsort in Belgrad vorstellen. Der ist wahrlich kein Geheimtipp, sondern das Wahrzeichen Belgrads. Wir sind oberhalb der Mündung von Donau und Sawe. Dieser Ort war in der Geschichte häufig umkämpft, an diesem Ort thront sie – die Festung „Kalemegdan“.



Die Festung von Belgrad bildet den historischen Kern von Belgrad und stammt in ihrer Grundstruktur vom Anfang des 15. Jahrhunderts. Sie wurde aber insbesondere Ende des 17. Jahrhunderts und Anfang des 18. Jahrhunderts durch modernere Bastionen ausgebaut.


Die zentral gelegene Festung von Belgrad war während der militärischen Konfrontation um die Vorherrschaft in zwischen den Großmächten der Habsburgermonarchie und dem Osmanischen Reich erbittert umkämpft.

Im Ersten Serbischen Aufstand gegen die Türken eroberten die Serben 1807 die Festung, die bis 1867 jedoch einen osmanischen Kommandanten behielt.


Die Festung Kalemegdan liegt auf einem 50 Meter hohen Kalksporn über dem Flussdelta. Neben Wällen, Bastionen, Türmen und Toren sind die zahlreichen Monumente sowie zwei Kirchen und das Militärhistorische Museum Serbiens touristische Anziehungspunkte in der Anlage. Das Schönste ist der Ausblick.



Auf ein Wiedersehen in Belgrad!

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