Warschau per Fahrrad entdecken

Warschau per Fahrrad entdecken


In dieser Radioreise radelt Alexander Tauscher mit Ihnen durch Warschau. Sie erleben eine Stadt, die heute ihren – wie man so schön liest – zweiten Frühling erlebt.

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Warschau hat dunkle Zeiten hinter sich und viele Narben der jüngsten Vergangenheit sind noch sichtbar. Aber an vielen Stellen blüht neues Leben, all das beschreiben wir in unserer Sendung und wir erkunden Warschau mit dem Rad.


Warschaus Geschichte ist untrennbar mit der Geschichte der Juden verbunden, mit dem Ghetto, mit dem Holocaust. An einigen Orte dieser jüngsten Geschichte werden wir an dieser Tour erinnert.


Vier Wochen nach dem Überfall auf Polen marschierte am 28. September 1939 die Wehrmacht in Warschau ein. Fünf Jahre hielten die Nazis Warschau besetzt, mit einem entsetzlichen Terror vor allem gegen die Juden. Wir werden an dieser Reise daran erinnert, dass vor dem Zweiten Weltkrieg rund 30 Prozent der Warschauer Juden waren, dass es hier hier hunderte jüdische Schulen und Bibliotheken gab. Mehr als 130 jüdische Zeitungen wurden herausgegeben. All das haben die Nazis ausgelöscht. Ein kleines Mahnmal am Rand des Fahrradweges erinnert uns daran.


Sehr ausführlich stellt das Jüdischen Museum diese Zeit dar. Aber es geht viel weiter zurück. Es zeigt sehr ausführlich und anschaulich in vielen Räumen die gesamte Geschichte der Juden. Das Museum wurde inzwischen als eines der weltbesten Museen ausgezeichnet. Es liegt an dem Platz, den man wohl auch in aller Welt kennt. Es ist der legendäre Ort, an dem Willy Brandt auf die Knie ging und sich für das Verbrechen der Deutschen entschuldigen wollte.



Das größte Symbol, dass von der sowjetischen Besatzung geblieben ist, das ist der einstige Kulturpalast. In unserer Sendung erzählen wir sehr ausführlich das sehr gespaltene Verhältnis der Polen zu diesem Gebäude.


Übrigens die Warschauer Innenstadt und den Kulturpalast kann man auch ganz locker und bequem mit einem Joggen erkunden. 

 
Warschau wurde im Zweiten Weltkrieg fast vollständig zerstört. Trotzdem findet man noch einige alte Spuren. Diese Spuren sind wir abgeradelt, angefangen am Königsschluss und dann weiter auf dem Königsweg zu den einstigen Residenzen.

Wir machen unter anderem im Lazienky-Park Station.

 
Im Park hören wir leise den Klang von Fryderyk Chopin. Er selbst wurde in Warschau an das Klavier herangeführt und konnte hier seine einzigartige Begabung entfalten. In seiner Warschauer Wohnung komponierte er seine einzigen zwei Konzerte. Vor dem Publikum in Warschau gab er bereits mit acht Jahren sein Debüt. Und so begegnet man Chopin heute an vielen Orten in Warschau: Schon bei der Landung, denn der Flughafen ist nach ihm benannt. In der Innenstadt kann es passieren, dass man als Spaziergänger plötzlich Musik von Chopin hört: aus Multimedia-Sitzbänken, die an Orten aufgestellt sind, wo Chopin wohnte, wo er Konzerte gab oder die Zeit mit seinen Freunden verbrachte.



Wir erreichen einen sehr populären Wochenmarkt in Warschau. Wie sich herausstellt, ist es einer der ersten großen Bio-Märkte in Polen. Agnieszka Saternus erzählt uns von ihrer start-up-Geschichte.


Wir radeln weiter durch das Zentrum von Warschau. Immer wieder müssen wir das Rad schieben, weil so viele Menschen auf den Wegen sind. Mit unserem polnischen guide Piotr spreche ich immer wieder über alte und neu Zeiten, über das kommunistische und postkommunistische Polen, über Widersprüche damals wie heute.


Es fällt auf, wie grün Warschau ist: Ein Viertel der Stadtfläche sind Grünanlagen. Die Parks auch gerade entlang der Weichsel sind daher die Orte, in die es die Warschauer in ihrer Freizeit am meisten zieht.


Dort gibt es inzwischen auch offene Fitness-Parcus, wo wir gut gebaute Männer beim Stählen ihrer Muskeln beobachten konnten. Wir lernen auch einen absolut angesagten Ort kennen – der Garten auf dem Dach der Universitäts-Bibliothek.




Wer sich für alternative Lebensstile interessiert, sollte die Weichsel nach Osten überqueren. Dort befindet sich der alternative Stadtteil Praga. In alten Backsteinhäusern und ehemaligen Fabrikgebäuden befinden sich heute etliche Kunstgalerien, Cafés, Nachtclubs und Theater. Es ist ein Gebiet, dass unser guide Piotr von früher und heute kennt. Auch diese Geschichten hören Sie im Podcast unserer Radioreise.


Absolut hörenswert ist auch das Gespräch mit dem Thomas Gottschalk des polnischen Fernsehens. Was hat er besser, was schlechter als Gottschalk gemacht? Warum sieht er sich selbst als Markus Lanz des polnischen Fernsehens? Das verrät uns Steffen Möller in unserer Show.

 
Am Ende unserer Tour besuche ich die Kollegen am Mikrofon in Warschau. Ich bin zu Gast beim polnischen Sender TOK FM, ein Infoprogramm aus Warschau, dass in vielen Städten des Landes auf UKW zu hören ist.

Es ist ein Sender, der zur renommierten "Gazeta Wyborscha" gehört. Dies widerum ist eine links-liberale Zeitung, eine durchaus kritische Stimme in Polen. 



In dieser Zeitung arbeitet Jaroslaw Ossowski als Warschau-Reporter. Er hat mich durch dieses Medienhaus geführt und sprach über Pressefreiheit und politische Strömungen in Polen. Er sprach darüber, wie er die rechtskonservative Regierung bewertet, die im Jahr 2015 das Bild von Polen in Europa nicht gerade verbessert hat.




Sein Plädoyer für ein offenes Europa, für Schüleraustausch, Begegnungen der Menschen hören Sie in unserer Sendung. Denn Weltanschauung kommt von Welt anschauen.

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